Der Vorabend/ Der Tag der Abreise/ Die Reise/ Die ersten 24 Stunden Indien

Wie die Überschrift vermuten lässt, folgt ein eigentlich viel zu langer Text, für einen einzigen Post.

Deswegen haben wir uns entschieden, dem mal eine kleine Zusammenfassung für Faule voran zu stellen:

Es geht um Gefühle, die erst kurz vor der Abreise hochkommen, Vorfreude, Respekt, Nervosität und die Realisierung, dass wir jetzt 6 Monate lang kein Deutschland mehr haben werden. Es geht um den Flug mit Air India und die Aufenthalte auf Indischen Flughäfen und was diese uns schon über Indien verraten haben, bevor wir richtig da waren (nicht zuletzt durch das Essen). Es geht um die Freundlichkeit der Inder, um die Herzlichkeit mit der wir empfangen wurden und um den halsbrecherischen Verkehr durch den wir zu unserer Unterkunft gefahren wurden. Es geht um Chennai, das Elend dort, das trotzdem fröhliche Leben und um den Nationalstolz der Inder. Und nicht zuletzt geht es darum, wie viel Spaß die Verständigung mit Hand, Fuß und ein paar Worten Tamil macht und wie viel uns ein neunjähriges, selbstbewusstes Mädchen über Indien lehren konnte.

Der Vorabend:
Ich sitze in meinem Zimmer, skype noch ein letztes Mal mit Clara vor meiner Abreise nach Indien, sehe das ganze Zeugs in meinem Zimmer rumliegen: Den Reiserucksack, die Gastgeschenke, die Gitarre.. und es kommt mir so surreal vor. ICH soll MORGEN nach Indien fliegen? 6 Monate lang? Ich glaube ich kann mit relativer Sicherheit sagen, dass ich mich nie zuvor im Leben emotional so unvorbereitet auf etwas gefühlt habe. Aber dann frag ich mich auch: Kann man denn vorbereitet in solch eine Reise gehen? Ich plädiere für nein. Denn wie soll man das bitte anstellen? Man hat ja eigentlich gar keine Ahnung, worauf man sich dort einlässt. Eckdaten weiß man, mehr nicht. Aber ich finde es aufregend, und gruselig zugleich. Ich glaub ich bin ein Mensch, der sich schon immer herausfordern wollte, an seine Grenzen gehen will und gucken, was man alles auch so aushält. Ich muss ehrlich sein, Ich hasse Spinnen. Und Kakerlaken. Und Ungeziefer generell geht mir nicht so ganz rein. Ich weiß auch, dass genau all diese Dinge mich in Indien erwarten werden, teilweise sogar in meinem Bett. Aber dadurch abschrecken lassen? Das wäre doch langweilig, keine Herausforderung!

„Wie geht‘s dir?“ fragt Clara mich. „Ich weiß nicht“ , antworte Ich. „Es ist eine Mischung aus Nervosität und Angst. Angst vorallem davor, meinen Pass morgen zu vergessen! Stell dir mal bitte solch eine Katastrophe vor! Aber auch Vorfreude, viel Vorfreude ist auch drin.“

Ich finde Adriana hat sehr treffend beschrieben wie so die Gefühle am Vorabend sind. Die Gefühle die wir wohl die ganze Zeit vorher verdrängt haben, Ich zumindest. Nur die letzten Tage in Deutschland waren komisch … die ganzen letzten Male. Das letzte Mal im eigenen wunderbar bequemen Bett liegen, Das letzte Mal mit einem warmen Tee vor dem Ofen sitzen und das letzte Mal mit angenehm warmem und sauberem, deutschem Wasser duschen. Bei der Abschiedsfeier daran zu denken dass man alle seine Deutschen Freunde SECHS MONATE LANG nicht wieder sehen wird … Wenn man sich mit Leuten umgibt, ist es einfach das alles zu verdrängen, aber wenn man dann mal alleine ist kommen die Gedanken hoch und es schleicht sich doch ein echt mulmiges Gefühl in den Bauch. Ich bin froh dass ich nicht alleine reise.
Naja aber genug davon wie unvorbereitet wir sind und wie wir verdrängt haben was jetzt kommt, weil jetzt kommt es und wir können nichts mehr daran ändern! Und wir freuen uns!

Die erste Ahnung wie völlig anders die Indische Kultur doch ist bekommt man schon, wenn man in das Flugzeug von Air India einsteigt. Von Lufthansa bin ich „typisch deutsche“, ernste, graue Flugzeugausstattung gewohnt, irgendwie fast steril. Bei Air India sieht es ganz anders aus. Die Stewardessen tragen farbenfrohe Gewänder, die Sitze sind ebenfalls bunt und unser Umsteige-Flughafen Delhi ist mit buntem Teppichboden ausgestattet. Das alles wirkte für mich auf den ersten Blick veraltet und das ist es vielleicht auch, aber mittlerweile finde ich es einfach viel sympathischer als die deutsche Sauberkeit.
Naja Sauberkeit … (diese Überleitung! 😀 ) die Toiletten auf dem Flughafen waren dreckig und offensichtlich wirft man hier das Klopapier nicht in die Schüssel, sondern in einen Eimer daneben. Der Putz bröckelt teilweise von den Wänden. In Chennai wird wohl gerade umgebaut („WORK IN PROGRESS INCONVINIENCE REGRETTED“) Und ach ja! Tauben. Im Transitbereich des Flughafens Delhi leisteten uns ein Paar Tauben Gesellschaft 😀 wie auch immer die das da rein geschafft haben :D.

So viel zum Flug. Angekommen in Chennai, holen wir unser Gepäck, wollen Geld umtauschen, doch der Mann am Wechsel-Schalter sagt uns die Wechselrate ist scheiße und wir sollen lieber an einem Automaten abheben und nicht dort unser Geld verlieren. Ich weiß zuerst nicht ob ich ihn richtig verstanden habe, frage nach und freue mich über seine ehrliche Freundlichkeit. Draußen angekommen will uns ein Taxifahrer eine Fahrt anbieten. Als wir ihm sagen dass wir abgeholt werden, ist er keinesfalls desinteressiert, sondern führt uns sogar zu unsrem Fahrer. Wir entschuldigen uns für die Verspätung und werden nicht mit typisch deutscher Höflichkeit, sondern mit typisch Indischer Herzlichkeit begrüßt und fangen gleich an, uns durch den indischen Verkehr zu schlängeln. Der indische Verkehr ist für einen Deutschen wohl eher ein unglaubliches Wirrwar. Ununterbrochenes, scheinbar sinnloses Gehupe, halsbrecherische Überhol- und zwischen-Autos-durchfahr-Manöver, Menschen, Hunde, viele Mopeds, Rikschas und KÜHE. Und Trotzdem läuft es alles irgendwie ohne Unfall ab. Angeschnallt wird sich nicht (Sorry Mama). Der Gurt funktioniert ohnehin nicht.

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Unser Abholer führt uns noch ein bisschen durch die Stadt. Hier erleben wir Elend aus erster Hand. In Chennai war vor kurzem ein großer Sturm. Alles ist ein bisschen kaputter als sonst. Mehr Menschen als sonst leben in einer Art Slum hinter dem Fischmarkt am Strand. Aber trotzdem ist viel Leben am Strand, in der ganzen Stadt. Niemand begegnet uns Feindselig. Man gibt uns die Hand. Man winkt uns. Wir werden angelächelt. Wir lächeln zurück. Das ist eine universelle, ursprüngliche Sprache :).

Als wir in die Herberge kommen, in der wir übernachten sollen (Matratzen dünner als eine Isomatte und dreckiges Bad), bringt uns ein Mitarbeiter Wasser, der nur wenig besser Englisch spricht, als wir Tamil :D. Aber mit den Paar Worten, die wir schon gelernt haben können wir ihm schnell ein Lächeln ins Gesicht zaubern und es entwickelt sich eine „Unterhaltung“ mit Hand uns Fuß, was beiden Seiten wohl den Tag versüßt hat.

Schnell wie der Wind hatten wir unser Zimmer in eine unglaubliche Müllhalde verwandelt:

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Am Abend treffen wir den, der uns diese ganze Aklimatisierungsphase organisiert hat, Father Roy Lazar, mit dem wir dann zusammen zu Abend essen. Unser erstes Indisches Essen. Gegessen wird mit der Hand und es ist wundervoll! Ich hatte schon Angst Fleisch zu vermissen aber das Essen ist so lecker, dass es keine Wünsche offen lässt!

Bevor wir schlafen gehen, wollen Adriana und Ich noch einmal kurz raus an die „frische“ Luft und ein bisschen Musik machen. Es ist gerade eine große Gesellschaft in dem Ashram (ein, in diesem Fall, christliches Meditationszentrum), die das hinduistische Pongal Fest feiert. Father Roy erklärt uns, dass dieses Erntedank-Fest einfach zur Tamilischen Kultur gehöre und auch von Tamilen aller anderen Religionen hier gefeiert werde.

Wir sitzen also noch keine Minute im Freien vor unsrem Zimmer und spielen Gitarre und Ukulele, da kommt ein kleines Mädchen auf uns zu. Sie spricht wirklich gutes Englisch für ihre 9 Jahre. Wir packen unsre Tamil-Brocken aus und lernen viel von ihr. Aber nicht nur über ihre Sprache, auch über ihre Schule, Familie und Indien im allgemeinen. Sie wohnt nicht weit vom Ashram. In der Schule wird man mit Stöcken auf die Hand geschlagen, wenn man nicht gut ist, oder nicht aufpasst (kurz geht mir durch den Kopf, wie oft Adriana und ich diesen Stock wohl gespürt hätten …) aber das ist normal. Ihr Vater ist Christ, ihre Mutter Hindu und es freut uns, dass das wohl überhaupt keine Probleme macht.

Eine erfrischend herzliche und interessante Unterhaltung vor dem ersten Schlafengehen in Indien 🙂

… auch wenn wir ihren wirklich sprunghaften Ausführungen nicht immer folgen konnten.

Am nächsten Tag geht es shoppen!
Ich komme zu spät und werde deswegen mit den Worten „Tim, du hast den Test bestanden. Du bist jetzt offiziell in Indien angekommen!“ begrüßt :D.
Alles ist etwas entspannter in Indien.
Ich kaufe Schuhe und wir Beide kaufen traditionelle Kleidung für die Pongal-Festlichkeiten am nächsten Tag. Die wunderschönen Saris, Chudidars und Schals sind für Deutsche Verhältnisse spottbillig und so können wir richtig zuschlagen.

Ich hab auch gleich versucht meinen Rock (der nur ein Stück Stoff ist) ohne indische Hilfe anzuziehen… es hat nicht wirklich funktioniert:

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Im Flugzeug haben wir einen Artikel darüber gelesen, dass die Indische Regierung allen Amazon-Mitarbeitern ihre Visa entziehen will … Weil Amazon Fußmatten mit der Indischen Flagge in Kanada verkauft hat, wodurch sich die Inder in ihrem Nationalstolz beleidigt fühlten. Uns kommt das sehr überzogen vor und so sprechen wir Father Roy darauf an. Er erklärt uns einige interessante Dinge über Indien. Zuerst, dass Füße etwas sind, dass als sehr schmutzig angesehen wird und die Flagge soll nicht „mit Füßen getreten werden“. In Indien läuft zwar einiges nicht gut. Es ist dreckig, es herrscht Armut, Korruption und Elend. Es gibt 18 verschiedene Bundesländer mit verschiedenen Sprachen, Schriften und Völkern, aber trotz all Dem ist der Inder stolz auf sein Land. Stolz genug um wegen einer Fußmatte einen Skandal auf höchster Regierungsebene loszutreten.

Während ich das schreibe, sind wir auf dem Weg zu einem Internat in dem wir die nächsten vier Tage verbringen werden. Wir fahren seit dreieinhalb Stunden und haben nicht das Gefühl die Stadt jemals verlassen zu haben. Was höchstwahrscheinlich auch noch stimmt (Chennai hat 8 Millionen Einwohner!). Überall ist was los. Wir können immer noch nicht so ganz realisieren, dass wir beide wirklich in Indien sind. Es ist anders und in vielerlei Hinsicht besser als uns jeder Reiseführer und Erfahrungsbericht vermitteln konnte. Es ist einfach das echte, eigene Leben.
Es fällt schwer all die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Fast so schwer wie bei dem niemals endenden Hupkonzert im Auto zu schlafen.
Und das ist er, unser erster „Sound of India“. Glockenklar und in Stereo (Danke Maurice):

Bald wird es jeweils eine Seite geben, auf die wir die schönsten und interessantesten Bilder und Sounds Hochladen!

Das nächste Update wird es dann wohl nach der Zeit in dem Indernat (na, verstanden?:D hach, wir Witzbolde.) geben. Wenn ihr Lust habt … wir haben einen wundervollen Newsletter! Einfach im Menü oben auf „Newsletter“, eure E-Mail-Adresse eingeben, und immer wenn es was Neues gibt, bekommt ihr eine E-Mail … Newsletter halt.

Bis bald ihr Lieben! <3

55 Gedanken zu “Der Vorabend/ Der Tag der Abreise/ Die Reise/ Die ersten 24 Stunden Indien

  1. Ja, Tim u. Adriana ,das Abenteuer hat begonnen. Ich kann auch noch gar nicht glauben, dass du so weit weg bist. Aber die Verständigung klappt ja.
    Dein heißes Höschen steht dir gut.
    Passt auf euch auf. Liebe Grüße von Oma Nita u.Willi

  2. Ach bin ich froh, dass ihr beide gut angekommen seid! Es hat mir gerade wirklich ein Schmunzeln ins Gesicht geworfen, als ich euren ersten indischen Post gelesen habe. … und ich habe gerade genau vor Augen, wie ihr beide auf einer kleinen Terasse einer indischen Stadt namens Chennai steht – Adriana mit ihrer Gitarre und Tim mit seiner Ukuleke in der Hand , euch im Hintergrund ungewohnte Geräuch umgeben, ihr euch anschaut und denkt: Oh mein Gott sind wir nun wirklich in Indien ?!
    Ich wünsche euch einen aufregenden, wahren, greifbareren Start in eurem neuen Zuhause für die nächsten 6 Monate.
    Allerliebte Grüße aus England <3
    Clara

  3. Kaum zu glauben, dass die ganzen Sachen in eure Taschen gepasst haben, mit denen ihr euer Zimmer verwüstet habt. Bin schon auf euren nächsten Eintrag gespannt. Ich habe beim Lesen das Gefühl, mit dabei zu sein. Liebe Grüße.

  4. Hallo ihr beiden,
    wir freuen uns, dass ihr gut angekommen seid und wünschen Euch, dass alles weiterhin gut verläuft. Ein toller Bericht und wir sind gespannt wie ein Regenschirm auf euren nächsten Bericht. Liebe Grüße Heinz und Monika

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