Die erste Woche bei Island Trust

Die erste Woche bei Island Trust ist vergangen und es ist wieder mal seeeehr viel passiert!

Keine Angst, es gibt wieder ein Inhaltsverzeichnis:

Einführung

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Langsam beginnen wir uns an einen gewissen Alltag hier zu gewöhnen. Der große Kulturschock ist vorüber und wir können uns besser auf kleine Dinge, schöne Unterhaltungen und interessante Menschen konzentrieren, anstatt von der Fülle an Informationen überwältigt zu werden. „WHOOOAAAA wir sind in Indien!!!“ hat „Hier ist jetzt wohl für die nächsten 3 Monate unser Zuhause.“ Platz gemacht. Ein ziemlich aufregendes Zuhause, in dem es 3 Monate lang neues zu entdecken geben wird! Aber eben doch kein Urlaub.
3 Monate. So lange waren wir beide noch nie von Zuhause weg. Von bequemem Bett, schöner warmer Dusche und der Oma, die die Wäsche wäscht. Man gewöhnt sich jedoch erstaunlich schnell an die Bedingungen, desinfiziert sich nach dem Busfahren eben die Hände, trinkt einfach mal nicht aus dem Wasserhahn. Manchmal läuft auch einfach gar kein Wasser, aber man entwickelt einen entspannten Humor mit dem man dem allem entgegentritt.

Die indische Ehrlichkeit und arrangierte Ehen

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Schöne Unterhaltungen mit interessanten Menschen gibt es hier mehr als genug, wenn man sich nicht dagegen sperrt. Ganz besonders ist dabei die Offenheit der Inder. Wir haben einer Mitarbeiterin von Island Trust, die wir praktisch seit 2 Minuten kannten, ein Bild von Adriana im Sari gezeigt. Sie guckt sich das Bild an und ihr einziger Kommentar ist: „Oh, you look fat in that Sari!“. Adriana und ich gucken uns etwas fassungslos und sehr belustigt an, und geben uns große Mühe, nicht sofort loszulachen (das haben wir dann später in unserem Zimmer nachgeholt) . Also sie hat auch ein bisschen fett ausgesehen… Sorry :D. Aber in Deutschland würde dir das keiner so ins Gesicht sagen.
Wir haben dann eine weitere interessante Person darauf angesprochen. Sehr-Kurzbiografie: Sie ist die Tochter des Besitzers des ältesten Ladens in Kotagiri, wurde über ein Internet Portal von ihrem Vater mit einem Nigerianer verheiratet, lebt heute in Nigeria und ist in Kotagiri nur zu Besuch. Klingt krass und zu arrangierten Hochzeiten später mehr, aber jetzt nur so viel: Sie wirkte wie eine der glücklichsten und zufriedensten Frauen, die ich seit langem gesehen habe, mit einem dauerhaften Lächeln auf dem Gesicht. Wir haben uns sehr lange mit Ihr über Offenheit, Gastfreundschaft und ihre Ehe unterhalten. Gastfreundschaft, Offenheit und Hilfsbereitschaft seien in Indien eher ländliche Eigenschaften und in Städten heutzutage eher weniger anzutreffen, weil die Leute keine Zeit dafür haben. Hier gibt es noch richtigen Nachbarschaftszusammenhalt, wenn irgendwas bei dir nicht stimmt hast du schnell 20 Nachbarn um dich herum, die dir helfen wollen. Mit ihrer Ehe sei sie sehr glücklich und sie wirkte nicht so, als wollte sie das ganze System der arrangierten Ehen in Frage stellen.
Über arrangierte Ehen haben wir mit einem Mitarbeiter von Island Trust eine interessante Unterhaltung geführt, die uns zusammen mit der Geschichte der Frau viel Stoff zum Nachdenken gegeben hat:

Der Mitarbeiter erklärte uns, dass man als junger Mann nicht einfach zu dem Vater hingehen könne und sagen: „Vadder, such mir ne Frau! Ich bin bereit zu heiraten.“ Nein nein, das entscheiden die Eltern. Aber es wird auch nicht einfach so eine Frau ausgesucht, die etwa gleich alt ist, nein, die Eltern schauen noch auf sehr viele andere Dinge: Darauf, dass die Personen einen etwa gleichen Bildungsstand haben, natürlich aus der gleichen Kaste sind und etwa die gleichen Werte haben, sodass das Fundament für gegenseitige Verständigung schon gelegt ist. Wenn das alles geklärt ist und die Familie sich sicher ist, den bestmöglichen Partner für ihren Sohn oder ihre Tochter gefunden zu haben, und vor allem wenn der Sohn oder die Tochter einverstanden ist mit der Wahl (arrangierte Ehe ist nicht gleichzusetzen mit einer Zwangsheirat) wird Hochzeit gefeiert! In der Regel treffen sich die zukünftigen Ehepartner vor der Hochzeit nicht ein einziges Mal, nur werden Fotos ausgetauscht. In den Städten ist es heutzutage öfters der Fall, dass sich die zukünftigen Eheleute vor der Hochzeit einmal kurz im Kreise der Familie treffen. Hier kann aber auch nicht von Kennenlernen die Rede sein, dafür sind die Treffen viel zu kurz. Kurz gesagt: Du kennst die Person, die du heiratest, kein bisschen . Es wird trotzdem davon ausgegangen, dass du mit dieser Person den Rest deines Lebens teilst, was ich irgendwie für einen total verrückten Gedanken halte.

An dem Abend sind Tim und Ich runter ins Dorf geschlendert und haben uns zu einer Tasse Tee in einem der vielen Teashops im Zentrum von Kotagiri niedergelassen. Die Sonne war am untergehen und wir hatten eine atemberaubende Aussicht auf die schönen Nilgiri-Berge:

Sehr entspannend.

Uns beiden ging dieses ganze Hochzeits-Thema immer noch nicht aus dem Kopf. .

Wer kein Bock auf unsre schweifenden Gedanken hat, springt am besten jetzt zur nächsten fettgedruckten Zeile .. :D.

„Aber was ist, wenn du mit einem totalen Spast verheiratet wirst?“

„Ich glaube, zwei Menschen können sich nach einiger Zeit immer gut verstehen, es kommt nur auf die Kommunikation an.“

„Ja, sag das mal wenn du mit jemandem verheiratet wirst, der dich zum Beispiel jeden Tag schlägt oder vergewaltigt? Kommt es da auch nur auf die Kommunikation an?“

„Hmm..ja,das ist auch so eine Sache. Sowas kann aber natürlich auch in Liebesehen passieren, das ist aber bei beiden Eheformen zum Glück eher die Ausnahme soweit ich weiß.“

„Aber bei der Arrangierten hat man eben keine Möglichkeit, die Person vorher richtig einzuschätzen und darauf basierend, vielleicht einen besseren Partner auszuwählen.“

„Ich schätze im Endeffekt kommt es auf die Frage an, wie veränderbar oder anpassungsfähig Menschen sind. Denn ich glaube wenn man keine arrangierte Ehe hat, sucht man sich natürlich den Partner aus, der auf deine persönlichen Bedürfnisse am besten zugeschnitten ist, bei der arrangierten Ehe kannst du das halt nicht machen. Da wachsen die Ehepartner erst mit der Zeit zusammen und passen ihre Bedürfnisse teilweise auch an. Irgendwo kommt da dann auch die Frage rein, wie veränderbar Menschen eigentlich sind, bzw. ihre Bedürfnisse..“

„Ich hab mal so ein Diagramm gesehen, das zeigt wie zufrieden Ehepartner aus einer arrangierten Ehe über Zeit sind verglichen mit Ehepartnern aus einer Liebesehe. Laut dem Diagramm werden Menschen aus einer arrangierten Ehe mit der Zeit eher glücklicher und Menschen aus einer Liebesheirat eher unglücklicher. Natürlich gibt es auch viele Ausnahmen, aber wenn man sich anschaut, dass jede zweite Ehe in der EU geschieden wird, ist da vielleicht was dran…“

„Ich glaube auch, dass die Erwartungen an die arrangierte Ehe durchaus kleiner sind als die an eine Liebesehe. Denn klar, jeder hat irgendwo eine Erwartung oder Märchenvorstellung, wie seine Ehe aussehen sollte. Davon ist die arrangierte Ehe auch nicht befreit. Jedoch wird diese Wunschvorstellung bei Liebesehen zum Großteil auch durch die Person geprägt, die man heiratet. Wenn man die Person aber gar nicht kennt, die man heiratet, ist auch ein Großteil der Erwartungen an die Ehe nicht vorhanden.. glaub ich jedenfalls. Ist man dadurch glücklicher?“

„Ich denke das hat auch etwas mit den unterschiedlichen Arten und Zielen des Kennenlernens zu tun. In einer westlichen Liebesehe kennen sich die Partner meist schon Jahre und haben die Beziehung auf Glück und eine schöne junge Liebe ausgerichtet. Hier ist es ganz anders. Du weißt, dass du mit diesem Menschen dein Leben verbringen wirst, und richtest so das Kennenlernen und die Beziehung aus auf ein funktionierendes gemeinsames Leben mit Verantwortung für Kinder, Haus und Ernährung. Von dem allen wird das am Anfang glückliche westliche Paar dann teilweise überrannt, während es hier von Anfang an das Ziel der Beziehung ist. Die Liebe soll dann später kommen.“

Naja das sind sie, unsere Gedankengänge. Ihr könnt ja auch einfach mal euren eigenen Gedanken darüber freien Lauf lassen. Wir sind noch nicht zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen.
Wir werden das Thema noch weiter verfolgen und euch natürlich teilhaben lassen.

Kleiner Witz zur Auflockerung: Wie heiraten Piraten? Mit einer arrrrrrrrangieren Ehe!

… Haha?

Die Arbeit von Island Trust

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Island Trust Headquarters

Nachdem wir Donnerstag morgen angekommen waren, haben wir zuerst mal zwei Tage praktisch nur faul im Bett gelegen, einmal unsre Wäsche gewaschen und wurden ein paar Mitarbeitern von Island Trust vorgestellt. Am Samstag wurden wir dann zu einem Projekt von Island Trust mitgenommen. Es war super interessant, mal zu sehen wie Hilfsorganisationsarbeit nicht im großen Stil, sondern auf dem Straßenlevel funktioniert. In einer Stadt an der Grenze zu zwei anderen Bundesstaaten, Kerala und Karnataka, in der es sehr viele Prostituierte gibt, hat Island Trust einige freiwillige Mitarbeiter, die die Prostituierten ansprechen und ihnen Aids/HIV-Hilfe durch Island Trust anbieten und ein Register über sie führen. An dem Tag hatten sie dort ein Treffen mit Rikscha-Fahrern Organisiert, die sie über Aids/HIV aufgeklärt und am Ende auch als freiwillige Mitarbeiter akquiriert haben. Das ist sie also, diese „Streetwork“.

Das ist auch irgendwo unser Anspruch an unsere Zeit hier: abgesehen davon, die komplett andere Kultur zu erforschen, wollen wir auch erfahren, wie Hilfsorganisationen im Allgemeinen funktionieren und vor allem welche Mittel sie benutzen, um ein vorherrschendes Bild in einer Gesellschaft zu verändern. Das noch gekoppelt mit dem Hintergedanken, dass sie mit einer uns noch ziemlich fremden Kultur konfrontiert sind, macht es umso interessanter für uns und erlaubt uns einen sehr tiefen Einblick in die Denkweisen der indischen Kultur.
Was wir etwas konkreter damit meinen: Island Trust ist eine Organisation, die sehr viele verschiedene Probleme angreift: Sie beschäftigen sich mit Problemen rund um Umweltschutz, Aids/HIV, Frauenrechten und arbeiten mit der indigenen Bevölkerung vor Ort (die Menschen werden hier auch „Tribals“ genannt, zu Deutsch „Stämme“) . Mit ihrer Arbeit mit Menschen, die von Aids/HIV betroffen ist, stehen sie für ein Bild, das so in der indischen Gesellschaft nicht vorherrscht; Betroffene werden bei Island Trust als ganz normale Menschen behandelt und es wird versucht diesen Menschen die bestmögliche medizinische Versorgung zukommen zu lassen. Wenn Menschen mit einer Aids/HIV-Infektion in ein normales Krankenhaus zur Behandlung gehen, werden sie oft nicht behandelt wie die anderen Patienten. Sie sollen sich getrennt von den anderen Patienten setzen, werden als allerletztes vom Arzt behandelt und mit Missgunst vom gesamten Krankenhauspersonal betrachtet.
Gegen dieses Bild versucht Island Trust anzukämpfen. Sie hatten bis vor kurzem in unserem Nachbarort Ooty ein Pflegezentrum für Aids/HIV-infizierte, wo sie wohnen konnten und Unterstützung im alltäglichen Leben erhielten. Sie konnten mit anderen Infizierten in Kontakt treten, haben ihre HIV-Medikamente erhalten und eine menschenwürdige Behandlung gestellt bekommen. Alles kostenlos, dank Island Trust und Unterstützung der Regierung. Die Sache ist die, die HIV-Medikamente haben noch sehr viele Nebenwirkungen und oft kriegen die Menschen dadurch sehr schlimmen Durchfall, was ihnen die Selbstversorgung zuhause oft unmöglich macht.
Vor kurzem aber hat die Regierung einfach die Gelder und die Erlaubnis für dieses Projekt gestrichen, ohne Angabe von Gründen und von heute auf morgen. Island Trust sah sich gezwungen, das Projekt zu schließen. Seitdem sind 74 Menschen aufgrund mangelnder Unterstützung ums Leben gekommen.

„Es ist sehr dramatisch“ , berichtet uns Alphonse, der Chef von Island Trust: „Wir sehen Kinder vor unseren Augen sterben, weil sie nicht die richtige Behandlung für ihre Krankheit bekommen und können nichts mehr für sie tun, seit die Erlaubnis weg ist.“

Island Trust versuchte damals, Druck auf die Regierung auszuüben, um wieder Unterstützung für das Projekt zu erlangen und wollte dafür die Aids/HIV-Community organisieren, diese wurde durch die Regierung aber sozusagen mundtot gemacht: Diese spendete nämlich einen Bruchteil der ursprünglichen Summe an die Aids/HIV-Organisation. Damit waren viele zufrieden und hatten keinen Anreiz mehr, etwas gegen die Streichung der Gelder und der Erlaubnis zu unternehmen. So bleibt das Pflegezentrum von Island Trust bis heute geschlossen. Größter Scheiß.

Island Trust versucht bis heute, die vorhandenen Stigmas über Aids/HIV durch Aufklärungskampagnen entgegenzuwirken und vor allem versuchen sie, weitere Infektionen zu verhindern. Schwierig in einer Gesellschaft, wo Sex ein ziemliches Tabuthema ist. Aber sie tun ihr bestes.

Beziehungen mit Kleintieren

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Wie Tim schon am Anfang gesagt hat, pendelt sich langsam wirklich eine Art Alltag ein. Lange hat sich mein Wesen dagegen gewehrt und es wehrt sich ehrlich gesagt immer noch etwas dagegen, denn mal ehrlich, komm schon. Ich bin in INDIEN! Wann ist man im Leben schon hier? Bis jetzt hatte ich noch nicht geplant, mich hier zu verlieben und hängenzubleiben und herzuziehen.. (keine Sorge Mutti, ich komm schon wieder nach Hause!:D) ..das bedeutet also, dass es etwas total besonderes ist, dass ich hier bin! Und ich sträube mich immer noch dagegen, nicht jeden Tag zu einem tollen, indischen Erlebnis zu machen und das indische Land weiter zu erkunden. Aber eins muss man irgendwann einsehen: Wenn man 6 Monate weg von Zuhause ist, kann man nicht jeden Tag wie im Urlaub leben, irgendwann kommt auch die Zeit, wo man sich entspannen muss. Fällt mir manchmal ziemlich schwer. Der Alltag kriecht sich immer weiter in unser Leben, und das ist auch gut so. Obwohl ich ein Alltag-Hasser bin.

Wir gewöhnen uns auch immer weiter an die veränderten Umstände. Sogar an kalte Duschen aus einem Eimer kann man sich gewöhnen, was ich nie geglaubt hätte. Es ist echt nicht geil, aber das Wasser kommt einem beim vierten Mal schon irgendwie wärmer vor:D
Es gibt da auch diese eine Spinne in meinem Badezimmer, die mich wirklich jeden Abend besuchen kommt und tagsüber spurlos verschwindet. Ist schon normal geworden, sie jeden Abend wieder an der Wand zu begrüßen. Eine Haus-Kakerlake gibt es auch schon, wir haben nur keine Ahnung wo sie ist, aber sie chillt hier auch irgendwo rum. Das indische Essen verbrennt uns auch nicht mehr den kompletten Mund, (nur noch die Lippen..) und man gewöhnt sich sogar langsam daran, dass jemand anderes auch in deinem Zimmer wohnt und die meiste Zeit mit dir zusammen rumhängt.
Was anderes hab ich jetzt auch gelernt, als ich meine erste Kakerlake in meinem Badezimmer beim Duschen begrüßen durfte: man gewöhnt sich erstaunlich schnell an Kleintiere in seinem Leben. Sie sind dann halt einfach da, und irgendwann werden sie dir sogar sympathisch. Ich meine, wieso sonst sollte diese Spinne aus meinem Badezimmer mich wirklich ohne Pause JEDEN Abend besuchen kommen, wenn wir nicht irgendeine Connection hätten? ..(Vielleicht werde ich doch langsam etwas verrückt..)

Daraus habe ich aber eins gelernt: Alles ist nur noch halb so gruselig, wenn man mittendrin ist, solange man dabei keine ernsthafte Angst um sein Leben haben muss.

Soviel zur Arbeit von Island Trust, unsrem Alltag und Adrianas Beziehung mit Kleintieren 😀

Was machen wir eigentlich hier?

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Nach der angesprochenen Versammlung mit Rikscha-Fahrern sind wir durch ein Naturreservat wieder zurück nach Kotagiri gefahren. Wir haben richtige Bambi-Hirsche, Wildschweine und Pfaue gesehen. Und Affen! Vieeeele Affen! Einer von ihnen war ein wenig zu anhänglich und ist dann Schon süß die Äffchen. Aber sie können auch anders!doch sehr aggressiv auf uns zugerannt. Dann haben wir ihm ganz freiwillig unsre gerade erst geöffnete süß-scharfe Marmelade (eine sehr interessante Geschmacks-Erfahrung :D) zugeschmissen und haben lieber mal unsre Beine (und danach sicherheitshalber einen Stock) in die Hand genommen und haben uns aus dem Staub gemacht … 😀 Elefanten haben wir leider keine gesehen 🙁 … zumindest keine echten 😀

Wildschweine gibt es dort auch :D

Der ist wohl sehr überrascht uns zu sehen.

Das schillern von seinem Hals kann man einfach nicht auf einem Foto festhalten

gut getarnt!

Am Montag hat dann unsre eigentliche Arbeit hier angefangen und wir sind zu einer sogenannten Government Tribal School vermittelt worden und dort unterrichten wir jetzt die Kinder in Englisch. Das ist gar nicht so leicht, ohne ihre Sprache zu sprechen, aber auf Spiele spricht dann doch jedes Kind der Welt an und wenn die Spiele dann auch noch was mit Tanzen zu tun haben hat man die Indischen Kinder sowieso in der Tasche. Auch Filme funktionieren wohl in jedem Klassenzimmer immer ganz gut!
Wir haben von dem Englischlehrer die offiziellen Tamilnadu Schulbücher für die jeweiligen Klassenstufen bekommen und wollten mit den Schülern die für sie bestimmten Texte lesen. Es ist schon traurig, dass höchstens zwei der Kinder in der Klasse die Texte verstehen und die auch nicht so richtig… Auch Sätze bilden ist noch eine Schwierigkeit. „What do you like to do in your free time?“-“I am reading“. Klassiker. „Where do you live?“ „I love my India!“ oder „What was the man‘s problem?“ „108!“ ..diese Antwort ist uns bis heute noch ein Rätsel:D
Sieht man aber von den schlechten Englischfähigkeiten der Kinder ab, für die sie ja nichts können, sind sie so zuckersüß wie auch schon die Kinder im Kinderheim Suvasam. Adriana und ich haben von ihnen Freundschaftsarmbändchen bekommen, sie bringen uns die ganze Zeit Tamil bei und sie schenken uns ihre Süßigkeiten. Naaaaw.

Gestern war hier in Indien Republic Day, der Tag an dem 1950 die indische Verfassung in Kraft getreten ist, nachdem 1947 die Unabhängigkeit erkämpft wurde. Überall in der Schule hingen indische Flaggen, jedes Kind – und wir – bekamen eine ans Hemd und den Sari gesteckt und an den Fahnenmast wurde sie auch gehisst, nachdem die Nationalhymne gesungen wurde. Bei alldem standen wir beide vor den Kindern und sie in Reih und Glied vor uns. Jeder, der ein bisschen zu lustig geschaut hat wurde ins Ohr gezwickt. Nicht lieb ins Ohr gezwickt, wirklich hart… Komische Situation. Die war aber schnell vergessen, denn danach wurde das alles zu einem großen Fest mit wunderschönem, riesigen Mandala auf dem Boden (hier „Kolam“), von den Kindern vorgetragenen Reden (Die wir leider nicht verstanden haben … aber sie waren ziemlich niedlich dabei, das reicht :D) und unglaublich guten Tänzen!

Hier eine Der Reden:

Und einer der Tänze (Das geklimper kommt von Glöckchen, die die Kinder an Fußkettchen hatten):

Tja, und wie das Schicksal – und vor allem die Kinder – es wollten, mussten Adriana und Ich natürlich am Ende auch einen deutschen Tanz vorführen..
Interessant wie gut man bei indischen Kindern mit einem Walzer auf einen 4/4-Takt punkten kann, mit dem wir in Deutschland wohl hochkant aus jedem Tanzverein geflogen wären… 😀

Es war nicht so gut, wie es auf dem Bild aussieht :D
Es war nicht so gut, wie es auf dem Bild vielleicht aussieht, aber es hat Spaß gemacht und das ist die Hauptsache 😀

Nach dem ganzen Trubel wurden wir von zwei Schülerinnen auf eine Tasse Tee zu ihnen in ihr Haus direkt neben der Schule eingeladen. Jaja, nur eine Tasse Tee … Wie naiv wir doch waren.. aber dazu gleich mehr. In dem Haus, in das wir dann kamen, wohnte eine der beiden Schülerinnen. Es gab einen kleinen Vorraum mit Bett, Küche und einem schönen Wachhund. Wenn ich klein sage, heißt das ich konnte darin natürlich nicht aufrecht stehen, wie in den meisten kleinen indischen Häusern… 😀 Von dort aus ging es in ein zweites Zimmer, ihres, mit einem Schrank, Bett, Regal, einer Art Altar mit Gottesbildern und sogar einem kleinen Fernseher. Wir freuten uns, dass sie alleine ein so großes Bett hatte und das sagten wir ihr auch. „Oh nein, nein. Wir schlafen hier zu viert!“. Nunja … kuschelig.

Jetzt zu unsrer Tasse Tee; Warum Naiv? Naja, die Tasse Tee bekamen wir und die war auch echt gut… „Wollt ihr noch ein bisschen Reis?“..hmm, wir können doch jetzt nicht ablehnen und diese unglaublich freundlichen Kinder kränken..na gut. „Ja, gerne. Aber wir bekommen Mittagessen in Kotagiri und brauchen nur ganz wenig.“ sagen wir mit entsprechender Geste. Kurz darauf kommt eine gute doppelte Mittagessen-Portion Reis, die auch echt gut schmeckt, aber nun mal einfach zu viel ist :D. „Wollt ihr ein bisschen Wasser trinken?“. Mit Gedanken an Salmonellenverseuchtes Leitungswasser lehnen wir so höflich es geht ab. „Wollt ihr von dieser Marmelade essen?“, fragt uns eines der Mädchen und nimmt ein kleines Plastikdöschen von dem Altar, „Sie ist heilig und bringt Segen!“. Mir geht etwas durch den Kopf, dass Alphonse uns gesagt hat: „Diese Marmelade wird in dreckigen Häusern hergestellt, das ist nicht hygienisch, esst das lieber nicht.“. Die beiden schauen uns aber so erwartungsvoll an und ich komme mir kurz vor wie ein Katzenbesitzer, dem seine Katze stolz eine frisch gefangene Maus präsentiert und darauf wartet gelobt zu werden. Dann werden Adriana und Ich aber von dieser geballten Mischung aus Stolz auf die eigene Kultur und Gastfreundschaft einfach übermannt… „Ja, sehr gerne!“. Sie war auch echt lecker … und bis jetzt hat sich auch noch keiner von uns übergeben :D.

Uns wurde dann noch gefühlt das halbe Dorf gezeigt und wir haben bestimmt allen dort lebenden Kindern die Hand geschüttelt. Satt bis oben hin sind wir dann zu unsrem fertigen Mittagessen bei Island Trust gekommen. 😀

In der PAMPA

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Am Mittwoch wurden wir, nachdem wir von der Schule heim kamen, direkt mitgenommen zu einer dieser besagten „Tribal Villages“.

Stairway to Heaven!

Nachdem wir etwa anderthalb Stunden mit dem Auto durch die Berge gefahren sind, kamen wir endlich an. Dachten wir jedenfalls. Aber nein, es ging noch 20 Minuten weiter über die steilste und schmalste Straße, die ich jemals ein Auto fahren gesehen habe.

 

Nach dieser sehr abenteuerreichen Fahrt kamen wir am ersten Stopp an. Jap, am Ziel waren wir nämlich immer noch nicht.OLYMPUS DIGITAL CAMERA Zum eigentlichen Ziel mussten wir uns erst mal eine halbe Stunde lang durch den steilen, indischen Wald kämpfen, bis uns irgendwann eine Frau entgegenkam , die einen Wasserkrug auf ihrem Kopf balancierte. „Mann, an was erinnert mich diese Szene?“, dachte ich mir. Und plötzlich kam mein Gehirn drauf; meine Erinnerung flippte sofort zu einer meiner Lieblingskinderfilme: Das Dschungelbuch! Natürlich! Und plötzlich bekam alles eine noch magischere Stimmung als zuvor. Einer meiner schönsten Kindheitserinnerungen war vor meinen Augen Wirklichkeit geworden, war das schön.

Schon eine gewisse Ähnlichkeit :)
Schon eine gewisse Ähnlichkeit 🙂

Wir folgten also der geheimnisvollen Dame mit dem Wasserkrug den Berg hinauf und sahen in der Ferne ein hinter Bäumen und Büschen verstecktes, an den Berg geschmiegtes Dorf. Wow.
Wer sich also jemals beschwert hat, dass ich in Beerfurth inmitten der Pampa wohnen würde, oh nein. Die Definition „Pampa“ hat an diesem Tag eine ganz neue Bedeutung bekommen! Dieses Dorf liegt nämlich mitten in der PAMPA, mein Dorf ist dagegen so zentral wie der Hauptbahnhof in Frankfurt 😀
Das Dorf war wunderschön, zusammengesetzt aus kleinen, selbstgebauten Häusern aus Holz und Lehm. Und die Aussicht! Ich sags euch, ich würde einiges dafür geben, um zu so einer Aussicht aufzuwachen: Sattgrüne Berge ragen aus dem Wald des Tals heraus, während die Sonne drauf scheint. Hach, herrlich.
Ich muss aber ehrlich sagen, eins habe ich mich schon gefragt: Fühlen sich die Menschen nicht arg abgeschnitten von der Zivilisation, haben sie nicht das Gefühl, sie würden was verpassen? Aufgrund der Sprachprobleme war ich leider nicht in der Lage, die Einwohner direkt danach zu fragen, meine Frage wurde aber trotzdem durch ihre Ausstrahlung beantwortet: So ruhig, so lustig und glücklich. Sie scheinen zufrieden mit der Realität, die sie haben. Hmm.

Bevor wir wieder zurück gefahren sind, haben wir noch eine Runde Volleyball mit den Tribal-Jungs gespielt. Mann sind die gut!

Schweißtreibend in so einer Höhe... ja schieben wir es auf die Höhe... :D
Schweißtreibend in so einer Höhe… ja schieben wir es auf die Höhe… 😀

So, das war’s bis jetzt von uns und unseren ersten Eindrücken hier bei Island Trust. Hoffentlich hat’s Spaß gemacht zu lesen. 🙂

Macht‘s gut, bis zum nächsten Mal ihr Seepferdchen!<3

64 Gedanken zu “Die erste Woche bei Island Trust

  1. Ich bin ja froh, dass ich scheinbar doch noch was bei Deiner Ehe mitzureden haben werde. Ich lasse mir schon mal ein paar Kamel-Angebote machen. Quatsch, falsches Land.

    Ich bin schon richtig Süchtig nach dem Newsletter . Weiter so.

  2. Bin zu doof für den Piratenwitz.
    Mach mir aber so langsam Sorgen, das du eine komplett neue Gaderobe brauchst, wenn du zurückkommst. Vielleicht hätten wir lieber dich, anstatt Jona zum Kurs mit dem kleinen und dem großen Nein schicken sollen 😉
    Macht weiter so und viel Spaß weiterhin.
    P.S. Da ist noch was, wofür ich zu blöd bin – warum Seepferdchen?
    P.P.S. Anmerkung von Papa – vielleicht hat 108 ja was mit 42 zu tun.

  3. Also den Piratenwitz hab ich auch nicht verstanden, Johanna übrigens auch nicht, muss familienbedingt sein;-)
    Ich kann mich dem nur anschließen, dass es süchtig macht Eure Berichte zu lesen und ich nehm schon vom Lesen der Essensberichte zu. Eine Anmerkung zu Eurem Pferdebuch, wäre doch witzig eine Spendenaktion daraus zu machen, wie, na überlegt Euch mal was, Ihr schafft das schon:-). Anmerkung zum Walzer, Ihr seht eleganter aus, wenn Ihr kleinere Schritte macht, dann siehts nicht nach Ringkampf aus. Bin unendlich stolz darauf, dass Ihr so seid wie Ihr seid und die kleinen Haustiere werden noch netter wenn man ihnen Namen gibt. Drück Euch aus der Ferne

  4. Den Piratenwitz hat scheinbar keiner verstanden. Ha,Ha
    Ihr seid ja die totalen Abenteuerer. Wenn ihr zurück kommt,lässt die Kakalaken bitte da wo sie jetzt sind. Auch ich freue mich schon auf den nächsten Bericht von euch.
    Machts gut, seid herzlich gegrüßt und fest gedrückt.
    Gruß Oma Anita

  5. Es war gerade toll mit euch zu sprechen und … dann doch noch das Ende eures Blogbeitrags zu lesen, nach all den anderen Erfahrungenaustauschen (was für ein Plural?! ) . 😀 Adriana dir steht deine neue Garderobe wirklich sehr gut und obwohl ihr wahrscheinlich sehr auffallt, zwischen all den anderen passt ihr auf einer Art doch irgendwie gut in die Landschaft. Ich schicke euch die liebsten Grüße rüber. (Und fliege dann mal schnell fürs Wochenende nach Indien. Der Tee und die Scones müssen warten)

  6. Hallo Adriana und Tim,
    wir verfolgen euren Blog mit großem Interesse und finden es einfach toll, wie der indische Funke zu euch überspringt, euch begeistert und ihr versucht zu verstehen, wie das indische Herz so schlägt.
    So viele ähnliche Erinnerungen an unsere Indienreisen kommen hoch und Wehmut und Fernweh natürlich auch…
    Diese Herzlichkeit, die unglaubliche Gastfreundschaft und menschliche Wärme der Menschen auf den Dörfern, die ihr ja auch so erlebt habt, kann man schwer mit Worten beschreiben – man muss sie einfach erlebt haben. Menschen, die so gut wie nichts haben und trotzdem noch ohne Erwartung einer Gegen-leistung das letzte Essen freudig für die Gäste aufbieten, ist für uns hier schwer vorstellbar.
    Aber diese Erfahrungen werden euch euer ganzes Leben begleiten und bereichern…
    Inzwischen habt ihr ja schon ziemlich viel an Eindrücken gesammelt, Bekanntschaft mit der etwas unverblümten Art der Komplimente gemacht und auch die Ernsthaftigkeit eines schulischen Fahnenappells erlebt! Wir sind auf eure weiteren Erlebnisse sehr gespannt!
    Übrigens kam mir (Iris) die Diskussion um die so notwendige und unbedingt mitzunehmende Reiseapotheke sehr bekannt vor……Fragt mal Laura….
    Wir freuen uns schon auf eure nächsten Reiseberichte!
    Nandri

  7. Hallo an Adriana und Tim,
    jetzt lese ich so regelmäßig euren Blog und melde mich nicht…
    Das will ich nun ändern. Ich verfolge eure Berichte mit großem Interesse – auch wenn ich bis jetzt an „nur“ einer Stelle einen Hinweis auf das Pferdebuch finden konnte 🙂
    Macht weiter so – kämpft gegen multiresistente Darmkeime an und nehmt viele Eindrücke mit!
    Viele Grüße vom Schreibtisch
    Frederik Weis

  8. Liebe Adriana, lieber Tim,
    Ein super blog- ich habe das Gefühl dabei zu sein. Wir genießen alles was ihr zeigt und schreibt.
    Wir freuen uns dass die Reise euch so viel Freude beireitet.
    Viele Liebe Grüße , Mamma, Daddy, Theodore,Lucinda

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