Zwei Van-tastische Projekte!

Die siebte Woche bei Island Trust ist jetzt schon ernsthaft vorbei.. verrückt. Irgendwie ist die Zeit schnell, und doch so langsam vergangen. So viel ist passiert, so viel hat man dazugelernt.. bis jetzt können wir nur überblickend sagen, dass es echt schon eine sehr geile Zeit war. Wir haben wieder sehr viele Gedanken in diesem Blogpost zusammengefasst! Wer jedoch wenig Zeit hat, sollte vielleicht mit dem Letzten Menüpunkt beginnen, denn der ist dieses Mal der wichtigste! Es geht um ein sehr sehr ambitioniertes Projekt, bei dem wir uns über die Hilfe von euch allen freuen würden!

Arrangierte Ehen II

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Wir haben das arrangierte Hochzeiten Thema noch weiter verfolgt und so ziemlich alle, die wir getroffen haben, danach gefragt.

Als wir einen schönen Park in Conoor, einer Stadt nicht weit von uns, besucht haben, haben wir zum Beispiel eine total nette Familie mit ihren Freunden getroffen. Wir waren eigentlich nur gekommen, um ein bisschen zu entspannen, aber dann entdeckten wir diese Meute kurioser Leute, deren Kinder alle in Jeans und T-Shirt angezogen waren, also westlich und nicht indisch, was hier in der Kleinstadt Kotagiri und generell in unserer Zeit hier noch nie zuvor gesehen hatten. Wir haben schon gehört, dass sich reiche Inder und Städter sich eher westlich kleiden. Das machte uns natürlich neugierig, dazu kam noch dass sie auch noch Fußball spielten! So freundeten wir uns mit ihnen an und verbrachten ein paar schöne Stunden.

Ein schönes Fußballteam
Ein schönes Fußballteam

Mit einem Vater, der mit seiner Tochter und befreundeten Familien dort war, kam ich später ins Gespräch. Er ist Arzt und er will dass seine Tochter später auch Arzt wird, was heißt dass er ein sehr, sehr reicher Mann sein muss, denn ohne einen riesen Batzen Geld ist es in Indien unmöglich, die Studiengebühren und häufig auch die Bestechung zu bezahlen, dass man überhaupt einen Studienplatz kriegt. Ich fragte ihn einfach mal direkt, was er denn von arrangierten Ehen halte. Er gab mir eine ziemlich interessante Antwort:

„Ich muss ehrlich sagen, ich ziehe die arrangierte Ehe der Liebesehe vor. Ich weiß, da wo ihr herkommt ist das nicht so, aber ich finde das System der arrangierten Ehe besser. Die Sache ist nämlich die, ich habe meiner Familie und meiner Tochter einen gewissen Lebensstandart ermöglicht und möchte nicht, dass dieses gute, hart aufgebaute Leben durch eine Heirat wieder ruiniert wird. Ich will, dass meine Tochter einen Mann heiratet, der ihr auch einen gewissen Lebensstandart garantieren kann und für sie so sorgen kann, so wie ich für sie gesorgt habe.
Außerdem geht es bei der Heirat darum, dass man mit dem neuen Partner ab dann sein Leben teilt, Freude und Schmerz, schwere sowie schöne Tage und Lebensabschnitte. Wir glauben, dass das Leben dadurch einfacher wird und man so Unterstützung voneinander kriegen kann und das Leben leichter gemeinsam meistert. Es geht um Kompromisse und Akzeptanz gegenüber seinem Partner. Sieh, meine Hochzeit war auch eine arrangierte Ehe. Und ich liebe meine Frau und akzeptiere die guten sowie die schlechten Sachen an ihr, genauso wie sie an mir auch die guten sowie die schlechten Seiten akzeptiert. Es ist eine Meisterleistung an Kommunikation und gemeinsamer Akzeptanz, nur darauf kann man ein gemeinsames Leben aufbauen.“

Ich fand das einen interessanten neuen Punkt: dass es bei der Ehe in erster Linie um das Teilen des Lebens geht, nicht um romantische Gefühle. Hier kommt wieder die so oft genannte eher praktische Seite der arrangierten Ehe an Licht.

Gestern habe ich ein anderes Mädchen im Bus kennengelernt, sie hatte ein paar echt interessante Ansichten was die Ehe generell in Indien betrifft. Sie war 21 und hatte bereits einen IT-Abschluss. Sie erzählte mir, wie ihre jüngere Schwester bereits mit 17 nach ihren eigenen Willen verheiratet worden war und dass sie das nicht in Ordnung fand. Auch findet sie Eheschließungen nur innerhalb der Kasten auch nicht gut.

„Ich bin gegen Kinderheirat. Laut Gesetz darf man hier erst ab 18 heiraten, aber sie wurde schon mit 17 verheiratet! Das finde ich nicht in Ordnung. Den Frauen sollte die Chance gegeben werden, eine Bildung abzuschließen bevor sie verheiratet werden und sich dann nur noch um den Haushalt kümmern müssen.“

„Das stimmt, das wäre echt toll wenn das nicht nur im Gesetz, sondern auch in der Gesellschaft umgesetzt werden würde. Sag mal, bist du denn schon verheiratet?“

„Nein, bin ich nicht. Ich will erst mit 25 oder so verheiratet werden, idealerweise wenn ich meinen Masterabschluss schon habe und mein eigenes Leben schon aufgebaut habe.“

„Wird es dann eine arrangierte Ehe oder eine Liebesehe? Was bevorzugst du?“

„Ich..hmm.. ich bevorzuge schon die Liebesehe. Ich würde mich gerne verlieben und dann heiraten. Ich könnte meine Eltern fragen, eine arrangierte Ehe für mich zu arrangieren, aber ich könnte ihnen auch einen Mann vorschlagen, wenn ich mich in ihn verliebt haben sollte. Ah, aber dieser Mann müsste aus der gleichen Kaste wie wir sein, sonst würden sie nein sagen. Das finde ich so blöd. (Wer an diesem Zeitpunkt nicht mehr weiß, was es mit diesen Kasten auf sich hat, hier geht es zu dem Abschnitt, wo wir damals Kasten erklärt hatten)
Ich würde gerne heiraten können, wen ich will. Ich bin gegen Kastenehen, also Ehen, die nur innerhalb der Kasten geschlossen werden. Das ist aber leider heutzutage noch größtenteils der Fall. Es gibt nämlich auch noch heute fast nur Probleme, wenn zwei Menschen aus verschiedenen Kasten versuchen zu heiraten: Die Familien wollen oft nichts miteinander zu tun haben und reden nicht miteinander, die Traditionen der verschiedenen Kasten treffen aufeinander und vertragen sich oft nicht gut, die eine Tradition verlangt eben was anderes als die andere und keiner will seine jahundertelange Tradition für die andere aufgeben. Die Verliebten sehen sich auch mit vielen Verständnisproblemen konfrontiert, weil sie verschieden großgezogen wurden und ihre gegenseitige Tradition auch nicht verstehen.“

„Was ist, wenn du dich in eine Person aus einer anderen Kaste verlieben würdest? Würdest du sie trotzdem heiraten?“

„Nein, ich würde sie, auch wenn ich sie liebte, nicht heiraten. Meine Eltern würden dem nie zustimmen und ich wollte diese Art Probleme für meine Eltern auch nicht. Außerdem hätte ich Angst, dass die Familie von meinem Geliebten mir etwas antun würden, wenn sie von den Hochzeitsplänen erfahren würden. Vielleicht sogar töten würden sie mich. Nein, ich werde wahrscheinlich jemanden aus meiner Kaste heiraten, ob Liebesehe oder nicht. Und obwohl ich Kastenehen generell nicht gut finde. Es würde sonst nur Probleme geben.“

Die Havoor Schule und Mr Nallamuthu: Einfach geil.

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SpielgeräteJa, wir arbeiten auch noch! Wir sind jetzt bei einer anderen Schule in einem kleinen Ort namens Havoor, der 18 Kilometer von Island Trust entfernt ist. Es handelt sich um eine Grundschule, die hier von der ersten bis zu fünften Klasse geht und sie ist berühmt für ihren sehr engagierten Lehrer Mr. Nallamuthu, der im Letzten Jahr den Preis als bester Lehrer von ganz Tamilnadu (dem Bundesstaat in dem wir sind) gewonnen hat. Von der Berühmtheit wussten wir nicht viel, bevor wir dort ankamen, außer, dass Johannes und Carolin, die letzten Indienprojektler hier, diese Schule viel besser fanden als die erste. Ohne viel Vorwissen kamen wir also dort an und der Unterschied zu der ersten Schule stach sofort ins Auge. Alle Gebäude hatten einen schönen neuen blauen Anstrich, jeder Klassenraum war mit Büchern ausgestattet und im Gegensatz zu der ersten Schule hatte diese eine riesige Spielwiese mit Kletterstangen, Schaukel und Rutschen. In der Mittagspause haben uns die Kinder dann ihre Carrom boards und Schachbretter gezeigt. Carrom ist ein Spiel, dass so ähnlich wie Billard funktioniert, nur wird es nicht mit Kugeln gespielt sondern mit einer Art Dame-Steinen, die aneinander geschnipst werden, und dann in einer der Taschen in der Ecke des viereckigen Boards landen müssen. Auch gab es eine traditionelle Art Trommeln die man sich um die linke Schulter hängt und mit zwei verschiedenen, einem dünnen und einem dicken Stock spielt und wir wurden sogar darin unterrichtet!

Havoor 3# Spielgeräte 2 Spielgeräte 3

All diese Dinge gab es nicht bei unsrer ersten Schule hier und so waren wir sehr positiv überrascht von Havoor.

Wie auch bei der ersten Schule wurden wir sofort von den Schülern in ihre Spiele mit einbezogen und wir waren gleichberechtigte Spielpartner. Im Unterschied zu der anderen Schule waren diese Schüler aber um einiges respektvoller wenn es dann zum eigentlichen unterrichten kam. Und ein sehr großer Unterschied war auch, dass wir von dem angesprochenen Lehrer Mr. Nallamuthu genauso einbezogen wurden in alles was die Kinder dort an außerlehrplanmäßigen Aktivitäten machen. An der ersten Schule gab es solche kaum und wenn dann wurden wir auch von keinem Lehrer so an die Hand genommen. Schon am ersten Tag hat er uns Parai trommeln beigebracht und wir waren bald seine Lieblingsschüler und20170228_144438 durften auch die allein von ihm erdachte Seilsprung Choreografie der Schüler mit unsren Trommelkünsten begleiten. Im Gegenzug sollen wir ihm Gitarre beibringen und das machen wir auch, so gut das eben in kürzester Zeit und ohne jegliches Vorwissen über Westliche Musik seinerseits geht. Er will in Zukunft Jede Klasse mit 2 Gitarren ausstatten und den Kindern Gitarre spielen beibringen. Wir werden bevor wir gehen von den in Deutschland gesammelten Spendengeldern wahrscheinlich auch eine oder zwei Gitarren für die Kinder besorgen.

Wenn ihr jetzt schon denkt Mr. Nallamuthu hört sich wie ein sehr guter Lehrer und Mensch an, dann wartet mal ab bis ihr alles andere hört, das er für die Schule macht! Die Schule sah sauber und frisch gestrichen aus und Mr. Nallamuthu hat uns auch gesagt warum; Er hat 50.0000 Rupien (ca. 720€) von seinem eigenen Geld für den Anstrich ausgegeben.
Um das mal in Relation zu setzten: Er verdient pro Monat 40.000 Rupien. Seine beiden Söhne haben einen Herzfehler und für die Operationen musste er einen riesigen Kredit aufnehmen, den er jeden Monat mit 25.000 Rupien abbezahlen muss. Er hat also nur noch 15.000 Rupien (214€) übrig und davon gibt er ca. 5.000 pro Monat in der Schule aus! Ein Großteil davon nur für den Jeep, der die Kinder zur Schule bringt, aber zu dem Jeep später mehr.

Er hat die Schule zu dem schönen Ort gemacht, die sie heute ist. Als er dort anfing waren auf der schule nur 30 Kinder, heute sind es 70. Das hat er geschafft, indem er durch besagte Carrom-Boards, Schachfelder, Springseile und Bücher von seinem eigenen Geld gekauft hat, und sich für Spenden eingesetzt hat. Auch durch selbsterdachte Seilsprung-Tanz-Choreografien, außerordentlich gute Reden der Schüler bei öffentlichen Kreis- und Landes-Wettbewerben, und auch Kreis- und Landessieger in Carrom-Wettbewerben hat er ein Bundesstaat-weites Renommee für die Schule und sich selbst aufgebaut. Stolz zeigt er uns Berichte, die von großen Fernsehsendern über ihn und die Schule gedreht wurden und auch Auftritte seiner Schulkinder im Finale einer „Gameshow“ bei der es darum ging öffentlich Reden zu halten. Zur Erinnerung: Die ältesten Kinder sind 11 Jahre alt! Oh Mann als ich 11 war habe ich nicht mal ohne riesiges Lampenfieber ein winziges Theaterstück vor 40 Leuten aufführen können und hier halten teilweise gerade einmal siebenjährige Knirpse scheinbar ohne Aufregung ihre Reden vor einem 6000er Live-Publikum und Millionen im TV. Einfach beeindruckend!
Am Ende der Show wird Nallamuthu persönlich auf die Bühne gebeten und geehrt. Der Moderator bezeichnet ihn als Vorbild zu dem alle Lehrer an Staatlichen Schulen aufschauen sollten und je länger wir an der Schule und an indischen Schulen insgesamt sind, desto mehr stimmen wir dem zu.

Lehrer an einer indischen staatlichen Schule sei ein sehr guter Job, weil so gut wie niemand kontrolliert, ob du auch wirklich auftauchst und so ist auch unsre Erfahrung an den Schulen. Es gab einige Tage an denen in der ersten Schule kein Lehrer für die sechste bis achte Klasse da war und wenn wir mal Nachgefragt haben hieß es nur „They are on leave today“. Die Kinder wussten auch nicht wirklich wo ihre Lehrer sind oder was sie machen. Ich will niemandem etwas falsches vorwerfen und vielleicht ging es den Lehrern auch nicht so gut, oder sie hatten wirklich eine Art Training, aber so häufig ist das in Deutschland nicht mal annähernd vorstellbar! Um ehrlich zu sein, als Schüler habe ich mich natürlich immer gefreut, wenn der Unterricht ausgefallen ist… 😀 Aber da ging es immer um einzelne Stunden am Tag und nicht darum, dass an mehreren Tagen gar kein Lehrer da ist!
Die Kinder in Havoor können echt froh sein, dass sie Mr. Nallamuthu haben! Es gibt nicht wenige Tage, an denen er der einzige Lehrer ist. Er kümmert sich dann wenigstens darum, dass jede Klasse arbeitet und Aufgaben hat, aber das selbe wie Unterricht ist das natürlich nicht. Wenn wir ihn Fragen, wo denn die anderen sind, dann weiß er es manchmal selbst nicht und macht uns klar, dass vor allem der Direktor hier sich gerne mal einen entspannten Tag macht und ein Mann ist der sich nicht wirklich um die Kinder schert.

Nallamuthu hat drei liebenswerte Kinder, eine Tochter (Barathi, 7) und zwei Söhne (Vino, 2 und Reno, 10). Barathi und Reno gehen auf seine Schule. Er ist Atheist, aber sagt uns er habe 3 Götter die er anbetet: seine Eltern, seine Frau und seine Kinder. Er macht klar dass er mit seinen Kindern nicht nur die eigenen meint, sondern alle Kinder in seiner Schule: „Wir sind eine große Familie hier und ihr seid jetzt ein Teil davon!“. Das ist eine riesige Ehre und das Gefühl als er uns das sagte ist schwer zu beschreiben. Mir wird klar warum die Kinder so respektvoll sind: Nallamuthu weigert sich sie zu schlagen und behandelt sie wie seine Familie: mit Respekt. Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Respekt und Angst. Wenn die Kinder geschlagen werden, haben sie keinen Respekt vor den Lehrern, sie haben Angst. Wenn sie jedoch selbst mit Respekt behandelt werden, viel spielen dürfen, eine Priese Spaß mit der nötigen Portion Ernsthaftigkeit, dann haben sie Respekt vor dem Lehrer.
Und auch uns behandelt er wirklich wie einen Teil seiner Familie! Seine Tochter und eine andere Schülerin der Schule hatten am Tag nach mir Geburtstag und wie Adriana bereits sagte wurden wir auf ihre Geburtstagsparty eingeladen, auf der wir dann die Ehrengäste waren und er für uns drei einen Kuchen mit unsren Namen darauf gekauft hatte. Außerdem gab es auch ein neues Hemd für mich. Es war ein unglaubliches Gefühl sich so aufgenommen zu fühlen. 🙂Ablecken kuchen
Noch kurz etwas zu indischen Geburtstagstraditionen: Man schneidet hier
als Geburtstagskind den Kuchen an und dann füttert man alle seine Lieben damit und die füttern dann das Geburtstagskind zurück. Lustig, und als Deutscher sehr ungewohnt und komisch beim ersten Mal und ob das den-Kuchen-ins-Gesicht-schmieren danach dann auch dazu gehört weiß ich immer noch nicht so ganz… 😀

Das folgende Bild ist von der Geburtstagsparty und nachdem ihr die gesehen habt, werdet ihr verstehen, warum er so ein sympathischer Kerl ist. Er weiß immer wie er uns zum lachen bringen kann, ob es eine blöde Geste oder Grimasse ist, oder seine Geschichte wie er mit 16 Jahren das erste mal ein westliches Klo gesehen hat: Er hat sich einfach auf die Schüssel gestellt und den Wasserkasten umarmt. 😀 😀 😀 Hier sind die Kloschüsseln nämlich einfach in Boden betoniert, man setzt sich einfach nicht. Gutes Popotraining.

Geburtstag baradi

Indische Beziehungen

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Mr.Nallamuttu hat auch die Referendare von der Havoor Schule eingeladen zu den Festlichkeiten. Die Geburtstagsfeier bestand aus vielen Spielen, noch mehr Kuchen und natürlich einen riesen Haufen indisches Essen.

Während dem Mittagsessen sind die Referendare und wir in ein interessantes Gespräch über die Beziehungen zwischen Jungs und Mädchen in Indien und in Deutschland gekommen und uns sind..so einige Unterschiede aufgefallen. Ich glaube meine Lieblingsbeschäftigung mittlerweile ist es, indischen Menschen zu erklären, dass,ja, sogar Jungs und Mädchen sich zur Begrüßung in Deutschland umarmen. Und ja, wenn sie gute Freunde sind, geben sie sich auch manchmal einen Kuss auf die Wange.

Stille. Weit aufgerissene Augen und offene Münder. Ein verlegenes Lachen hallt durch die Stille des Raumes.

Ich wünschte ich könnte euch ein Bild von den schockierten Gesichtern zeigen! Naja, ich versuchs mal ein bisschen zu beschreiben: Es ist eine Mischung aus vollkommener Schockiertheit und Belustigung über die seltsamen, europäischen Gepflogenheiten, vollkommener Befremdung und einer Prise Empörung über diese öffentliche Liebkosungen zwischen Jungs und Mädchen.

Die Sache ist nämlich die: Männer und Frauen zeigen in Indien einfach keine Liebkosungen jeglicher Art in der Öffentlichkeit. Sie fassen sich nicht einmal an und kommen sich, so gut es geht, auch nicht mal nahe. In Bussen sitzen Frauen neben Frauen, Männer neben Männern. Nur wenn sonst kein Platz mehr im Bus ist, wird sich ein Mann neben eine Frau setzen.
Küssen ist sowieso in der Öffentlichkeit untersagt, in den meisten indischen Filmen küsst man sich auch nicht. “Nur diese freizügigen Bollywoodfilme, in denen küsst man sich und sieht ganz viele andere Sachen, ich sags euch!”, höre ich den Sohn von Mister Alponse mit einem empörten Gesichtsausdruck noch sagen.
Einen Arm um die Schulter geht nicht, Händchenhalten auch nicht. Kurz zusammengefasst: Es gibt einfach keine öffentlichen Liebkosungen zwischen Männern und Frauen. In den Metropolen wie Mumbay oder Bangalore soll das etwas anders sein, sagt man uns. Da sieht man auch mal Liebkosungen zwischen Männern und Frauen. Doch in dem restlichen Großteil von Indien ist das noch ein großes Tabu.
Mit dieser Information im Hinterkopf kann man glaube ich die Empörung der Menschen besser verstehen, wenn wir die Ausmaße der Liebkosungen in Deutschland in der Öffentlichkeit beschreiben.

Nach dieser kurzen Exkursion über ein weiteres Stück indische Kultur, jetzt mal zurück zur eigentlichen Geschichte! (Mann, meine Abschweifungen sind ja fast so schlimm wie im echten Leben, höhö!)

Zum besseren Verständnis hab ich mal in diesem nächsten Absatz die Unterscheidung zwischen einen Kumpelfreund zu haben und einen FREUND zu haben mithilfe der Groß-und Kleinschreibung deutlich gemacht.

“Sag mal, habt ihr in Indien bevor ihr heiratet auch FREUNDE oder FREUNDINNEN?”

“Was, ihr meint..Liebhaber oder was?”

“Ehm..ja, also eine Art sexuelle Beziehung vor eurer Ehe. Man küsst sich, man liebkost sich.. so Sachen eben. Habt ihr sowas hier?”

Mit weit aufgerissenen Augen “Oooh, ooh oooh neheheeein… nein, nein nein. Nein. Jungs und Mädchen sollen überhaupt keinen persönlichen Kontakt von Anbruch der Pupertät bis zur Heirat haben. Nachdem aber eine Frau verheiratet ist, kann sie auch mal einen guten Freund von ihr zu Hause besuchen oder die beiden können auch alleine sich dann wieder auf einen Tee treffen, aber erst nach der Heirat.”

“ Also habt ihr gar keine romantischen Beziehungen bevor ihr eine Ehe schließt, die Ehe ist eure erste, romantische Beziehung?”

“Jap, so sieht’s aus. Und wie ist das in Deutschland? Habt ihr etwa..Liebhaber bevor ihr heiratet?”

Tim und Ich gucken uns etwas belustigt und situationsbedingt auch etwas verlegen an:
“Ehm.. vielleicht?” und grinsen. Die Inder lachen belustigt, halten aber gleichzeitig sich die Hand empört vor dem Mund.

“Das ist einfach so in Deutschland und..ja, eigentlich im ganzen Europa. Wir haben FREUNDE und FREUNDINNEN bevor wir heiraten, das ist ganz normal. Es ist die absolute Ausnahme, wenn jemand heiratet und davor noch keinen Liebhaber hatte.”

Das ist echt was ich mag über die indische Kultur. Sie sind zunächst schockiert, wenn man ihnen erzählt, dass man zum Beispiel sogar als Mädchen Alkohol trinkt und ab und zu ein paar kühle Bierchen sehr genießt, was hierzulande ein vollkommenes Tabu ist und dass man auch mal eine Hotpants zuhause anzieht, was für sie wahrscheinlich das Pendant zu nackt durch die Straßen rennen wäre. Wenn man ihnen erklärt, so gut es geht wieso es und dass es bei uns normal ist, akzeptieren sie das auch und verurteilen dich nicht dafür.

Es scheint aber auch ein paar Rebellen inmitten dieses abstinenten Systems zu geben: Besonders Familien, in denen die Liebesheirat die Norm ist, scheinen Beziehungen vor der Ehe akzeptierter zu sein. Oder die Liebenden halten die Beziehung einfach geheim vor den Eltern. Gestern hatte ich zum Beispiel ein Gespräch mit einem Mitarbeiter von Island Trust, er hat mir gesagt, dass er bis vor einem Jahr noch inmitten einer ernsten Beziehung gesteckt hat, bis sich seine Freundin leider in einen anderen verliebt hat. Fünf Jahre lang hielt die Beziehung, und bis heute dürfen die Eltern noch nichts davon wissen, sonst würden sie ihn aus dem Haus schmeißen.

Ich weiß ehrlich gesagt bis jetzt noch nicht so ganz, was ich von der Beziehung zwischen Männern und Frauen hier halten soll. Irgendwie kommt mir das alles so unnatürlich vor, so seltsam dass man gar keinen persönlichen Kontakt mit dem anderen Geschlecht hat bis zu seiner Hochzeit. Wie soll man denn dann jemals lernen, mit Jungs umzugehen? Ich meine, idealerweise gäbe es einfach keine gesellschaftlich generierten Unterschiede zwischen Mann und Frau und man müsste gar nicht “Lernen”, wie mit dem anderen Geschlecht umzugehen…hmm. Ich find’s seltsam. Und schade, denn man merkt nicht selten als unverheiratete Frau im, aus indischer Sicht, heiratsfähigem Alter, dass Jungs sehr selten mit Frauen reden. Sie sind teilweise unsicher, trauen sich nicht mal mir in die Augen zu gucken und auch wenn ich ihnen eine Frage im Gespräch stelle, antworten sie seltsamerweise Tim und nicht mir. Auch wenn ich nur ein kleines bisschen zu nett zu gleichaltrigen Jungs bin, denken sie nicht selten, dass ich was von ihnen will und fangen an, ihren Arm bei Fotos um meine Schulter zu legen und so Sachen, was hier als Flirten verstanden werden kann und dann muss ich manchmal abweisend und sehr direkt sein, damit sie es kapieren. Fällt mir immer noch schwer dort die Balance zu finden. Naja, langsam aber sicher ändert sich das Frauenbild und ich glaube indische Frauen entdecken langsam nicht nur ihre starke Position in der Familie, sondern auch in der Gesellschaft. Ich kann nur hoffen dass das in Zukunft so weitergeht, denn Frauen werden immer noch oft unterdrückt von Männern oder nicht als gleichwertig behandelt.

Unterrichten gar nicht so leicht II

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So, jetzt zurück zum wesentlichen! Wir sind ja nicht nur hier um uns nur verwöhnen zu lassen und coole Erfahrungen zu machen, nein wir arbeiten auch! Ein Teil dieser Arbeit ist eine Studie, die wir mit Max, einem anderen Freiwilligenhelfer bei Island Trust mit der Stammesbevölkerung durchführen (mehr dazu in späteren Posts), aber unser eigentlicher Job ist ja die Gastlehrertätigkeit und der gehen wir auch an der zweiten Schule mit vollem Einsatz nach. Es ist Teilweise sogar leichter hier als an der ersten, weil die Kinder viel Respektvoller sind, als die in Aravenu. Das gilt zumindest für die Schüler der vierten und fünften Klasse… Die erste bis dritte Klasse ist da nochmal eine andere Geschichte 😀 Wenn du Glück hast bekommst du sie am Anfang dazu sich ruhig hinzusetzen, aber wenn du dann eine Stunde machen möchtest, die nicht konstantes rumgetanze oder gesinge beinhaltet, verlieren sie schnell das Interesse und ohne ihre Sprache zu sprechen ist es sehr schwer wieder ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Ich glaube das ist auch eines der Probleme, die wir in Aravenu hatten; Wir haben einfach nicht die Sprache der Schüler gesprochen. Natürlich gibt es auch in Deutschland Lehrer, die Deutsch sprechen und sich einfach keinen Respekt verschaffen können, aber wenn du die Sprache sprichst ist das doch viel einfacher. Ich habe in Deutschland gelegentlich Vertretungsstunden an Schulen übernommen und hatte eigentlich nie Probleme mir in den Klassen Respekt zu verschaffen. Die meisten Probleme hatte ich jedoch mit einer Flüchtlingsklasse, die alle dort waren um intensiv Deutsch zu lernen und dabei noch sehr am Anfang waren. Am Anfang jeder Stunde habe ich immer gesagt „Hey Leute ich bin für die nächste Stunde eurer Lehrer und wenn ihr lieb bleibt bleib ich auch lieb, aber wenn ihr scheiße macht habe ich kein Problem damit strenger zu werden“ und das hat eigentlich immer super geklappt. Oder einfach sagen zu können „Wenn ihr jetzt 20 Minuten gut arbeitet, können wir danach sehr gerne ein Spiel spielen“. Das kann man einfach ohne eine gemeinsame Sprache nicht rüberbringen. Die einzigen Worte, die die Kinder der dritten Klasse verstanden haben waren „Spiel“ und „20“ und es hat dann weitere 2 Minuten gedauert ihnen einfach zu vermitteln, dass wir jetzt keine 20 Spiele spielen… Wir mussten dann vor allem für die erste bis dritte Klasse eher auf unser spielerisches Repertoire zurückgreifen, was dann nach den anfänglichen Frustrationen auch wieder für gute Laune gesorgt hat. Mit „head shoulders knees and toes“ hat man doch noch jede Klasse zum mitmachen bekommen! 😀

Eine große Entlastung dabei waren auch eine Woche lang angehende Lehrerinnen die dort eine Art kurzes Refendariat gemacht haben. Mit denen zusammen haben wir die Stunden gestaltet und ein paar Kinderreime in Tamil von ihnen gelernt, die wir dann auch sehr gut als Auflockerung einsetzen konnten. Es war sehr interessant zu sehen, dass die Kinder die Lehrerinnen viel mehr respektiert haben, obwohl sie gerade einmal so alt waren wie wir. Es hat also wirklich etwas mit der Sprache zu tun…
Ein bisschen mehr zu den Referendarinnen: Die Ausbildung zum Grundschullehrer in Indien bedarf keines Universitätsstudiums und es handelt sich wirklich um eine Art Ausbildung mit Praxisphasen und einer Art Berufsschule nur für Grundschullehrer. Vier Lehrerinnen waren die ganze Woche da. Sie waren schon in ihrem zweiten Ausbildungsjahr und wie gesagt gerade einmal so alt wie wir. Zwei von ihnen 18 und zwei 19, sahen sie auf der einen Seite schon so viel reifer als wir aus, wie sie da in ihren Uniform-Saris vor der Klasse standen, aber auf der anderen Seite dann doch ganz normale Teenager wenn man sich mit ihnen unterhält, vor allem als an einem Tag noch 17-Jährige angehende Lehrerinnen aus dem ersten Ausbildungsjahr kamen wurde das klar. Als ich – der weiße Mann – sie angesprochen habe, habe ich am Anfang nichts als Kichern aus ihnen raus bekommen. Es war irgendwie wirklich erfrischend zu sehen, dass es doch auch in Indien fundamental gleiche Dinge gibt über die Mädels kichern… 😀

Die nervige Vokabelbox war ja doch nicht so blöd..

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Naja von kleinen, frustrierenden Erlebnissen zurück zu dem was wir hier wirklich machen und auch zu unsrem ersten großen Projekt hier. Wir haben die Kinder und auch die Unterrichtsmethoden in Englisch jetzt ja eine Weile beobachten können und dabei ist uns aufgefallen, warum ihr Englischvokabular so schlecht ist. Ihnen fehlt einfach die Wiederholung. Englischstunden sind so aufgebaut, dass der Lehrer einen Text vorliest und die Kinder lesen vielleicht dann auch, meistens wiederholen sie jedoch nur, was der Lehrer ihnen vorsagt. Wenn es Worte gibt, die sie nicht verstehen, werden diese an die Tafel geschrieben und dahinter die Tamil Übersetzung und am Ende der Stunde werden die Wörter vom Lehrer ein paar mal wiederholt und die Schüler kommen dann einzeln vor und lesen die Worte und die Übersetzung laut vor. Wir haben selten Schüler gesehen, die die übersetzten Wörter wirklich aufgeschrieben haben, geschweige denn glauben wir, dass sie die zu Hause wiederholen.. Schüler bleiben Schüler, egal wo:D Wenn sie die Worte nur an einem Tag hören ist es kein Wunder, dass sie bald wieder aus ihrem Gedächtnis verschwinden.
Wie kriegen wir die Kinder dazu wirklich täglich zu lernen und ihr Vokabular so nach und nach aufzustocken und vor allem wie können wir sie dazu bringen das auch nachdem wir weg sind weiterzuführen? Wir haben uns dann Gedanken gemacht, wie wir denn die Vokabeln für unsre Sprachen gelernt haben und da sind wir auf die gute alte Vokabelbox gekommen! Mit nur 10 bis 15 Minuten am Tag kann man auf lange Sicht echt tolle Resultate erzielen und wenn du ein Wort mit der Vokabelbox gelernt hast, ist es auch in deinem Langzeitgedächtnis!
Also habe ich mich mal einen Abend lang hingesetzt und einen Plan für eine Vokabelbox aus 3 A4 Seiten erstellt und wir dachten uns, wenn wir die Schüler in unserer Zeit damit ausstatten und den Lehrern beibringen diese zu bauen, können wir ihnen auf lange Sicht ein gutes Werkzeug für ihre Schullaufbahn mit auf den Weg geben. Wir haben auch eine Art Wochenplan für die einzelnen Abteile erstellt, da man das erste Abteil jeden Tag, das zweite nur jeden zweiten machen soll und so weiter und den Plan schön auf ein Blatt Papier gebracht. Als wir dann fertig waren damit die Boxen zu bauen ist uns leider eine Sache aufgefallen: du kannst nicht eine ganze Klasse Kinder dazu bringen perfekte Boxen zu bauen und außerdem werden Boxen aus Papier nicht lange überleben. Aber immer noch besser als nichts, haben wir uns gedacht.

Als wir dann fertig waren mit den Boxen und das ganze System dahinter der fünften Klasse erklären wollten, haben wir auch Nallamuthu dazu geholt, denn wir brauchen ja auch einen Lehrer, der durchsetzt, dass die Kinder auch jeden Tag ihre Vokabeln lernen. Mister Nallamuthu war so begeistert von dem System, dass er sofort gesagt hat: „Ja das System ist super, das müssen wir für alle Klassen hier einführen. Die Boxen aus Papier haben aber keine gute Qualität und werden schnell kaputt gehen! Ich gehe gleich morgen zu einem Schreiner und frage ihn wie viel eine Box kostet!“
Wir waren überwältigt von der Resonanz, die unsre Idee ausgelöst hat. Wir haben endlich etwas geschafft, das den Schülern für die nächsten 5, 10, oder 20 Jahre helfen kann und über die kurze Zeit, die wir hier sind hinaus geht! Und wir haben einen Lehrer, der das auf jeden Fall durchsetzen will! Nallamuthu hat unseren stümperhaft und in Zeitdruck geschriebenen Wochenplan zu einem Schilder-Shop gebracht und die haben ihn in diesen Wundervollen Wochenplaner hier verwandelt:

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Außerdem haben wir einen Deal mit einem Schreiner, der für uns Boxen 20170321_155403für beide Schulen für 150 Rupien pro Stück baut. Das sind gerade einmal zwei Euro für eine solide Holzbox! An dieser stelle vielen Dank an Mister Nallamuthu für die unglaubliche Unterstützung, die er bei diesem Projekt war. Er hat alle Gespräche und Verhandlungen mit verschiedenen Schreinern geführt und er stellt ihnen das Schulgelände als Arbeitsgelände zur Verfügung. Hier sind die beiden stolzen Eltern der Idee Vokabelbox in Tamilnadu mit den ersten fertig geschreinerten Boxen und auch mit den Schreinern:

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Die Boxen werden dann alle noch rot angestrichen und das alles für gerade einmal 2,15 € pro Box! Für alle, die es nicht wissen: Adriana und ich haben in der Schule mehrere Waffel- und Hotdog-Verkäufe zusammen mit der Schülervertretung organisiert und damit schon einen gewissen Spendentopf aufgebaut und so können wir die ganzen Boxen aus diesem Topf finanzieren!
Erst gestern kam die Chefin aller staatlichen Schulen im Umkreis

Kotagiris (insgesamt 64) nach Havoor und wir haben ihr die Lernboxmethode erklären dürfen. Sie war, gelinde gesagt, begeistert! Im Juni ist eine Konferenz aller Schuldirektoren im Kotagiri Block und sie versprach uns, nach einer Testphase an unsren zwei Schulen, allen Direktoren unsre Methode vorzustellen. Sie meinte, es sei sehr wahrscheinlich, dass die Hälfte der Schulen, oder sogar mehr die Methode übernehmen würden! Ich glaub wir müssen nicht sagen, wie stolz uns das gemacht hat! Wir haben ihnen endlich diese Hilfe zur Selbsthilfe gegeben, von der immer alle reden!

Ein Van-tastisches Projekt!

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Nun zu einem anderen Projekt, das wir mit der Havoor Schule gestartet haben: Es geht um eine Spendensammelaktion für einen Schul-Van auf der Spendensammelplattform leetchi.com. Leetchi.com ist eine Plattform, auf der man ganz einfach per Kreditkarte, oder Sofortüberweisung Geld für ein bestimmtes, klar definiertes Ziel spenden kann und auf der transparent angezeigt wird, wie viel Geld schon gesammelt wurde. Leider ist die Seite nicht berechtigt, Spendenquittungen auszustellen. Wer also eine Spendenquittung möchte, soll das Geld bitte an den Freundeskreis, der Martin-Luther-Schule in Rimbach überweisen. Kontonummern und Verwendungszweck stehen am Ende des erklärenden Textes auf Leetchi.com und auch am Ende dieses Blogposts. Alle Spenden an den Freundeskreis werden auch auf leetchi.com veröffentlicht, so aktuell das beim Rumreisen in Indien dann halt geht.

Der Link zu der Spendenaktion ist www.leetchi.com/c/havoor-van.
Wir würden uns freuen, wenn ihr den mit jedem teilt, von dem ihr denkt, dass er gerne Geld für einen guten Zweck geben würde, oder von dem ihr denkt, dass er einfach viel zu viel Geld hat … :D. Whatsapp, Facebook, Twitter, Email, SchülerVZ (gibt‘s das überhaupt noch?) oder wenn ihr es etwas altmodischer wollt, könnt ihr auch gerne Faxe, Telegramme, oder Briefe schreiben 😀 Sogar Brieftauben sind erlaubt! 😀 Auch Stammtischgespräche, Flurfunk oder der nächste Tratsch über Nachbar‘s Zaun, auch wenn es wohl etwas mühsam ist, den Link dann zu buchstabieren. Die Sache ist nur die, je mehr Leute dieses Anliegen erreicht, desto weniger muss der einzelne geben, und desto schneller ist das Ziel erreicht.

So, was ist denn das Ziel überhaupt?

Weil wir faul sind, kopieren wir hier einfach mal den Text rein, den wir für Leetchi.com geschrieben haben:

WAS?

Die Havoor Grundschule liegt etwa 2km entfernt von dem kleinen Dorf Kil-Kotagiri in den westlichen Nilgiri Hills in Südindien. Diese einzigartige staatliche Schule bietet sozial und ökonomisch benachteiligten Schülern eine Chance auf ein besseres Leben und die Möglichkeit aus dem Schicksal ihrer niedrigen Kastenherkunft auszubrechen.

Im nächsten Jahr wird die Regierung leider die finanzielle Unterstützung für den angemieteten Jeep streichen, der im Moment die Kinder jeden Morgen zur Schule und jeden Mittag nach Hause fährt, und damit die exzellente Bildung und Erziehung von 75 Kindern aufs Spiel setzen.

Unser Ziel ist es ein Fahrzeug zu kaufen, sodass die Lehrer ihre Arbeit, die ihnen schon unzählige Preise eingebracht hat, weiterführen können und die Kinder der Nilgiri Hills die Bildung bekommen, die sie verdienen. Das bestmögliche Fahrzeug wäre ein Van des indischen Autobauers Mahindra, Modell Bolero, das ca. 9500€ kosten würde.

WARUM?

Ein Transportmittel für die Schüler ist unbedingt notwendig, einfach dadurch, dass die Schule so abgelegen ist. Schüler, die versucht haben zur Schule zu laufen, sind teilweise schon Opfer von Affenbissen geworden und auch die Gefahr, die von den enormen, wilden Bisons und Wildschweinen ausgeht, die dauerhaft durch die Teeplantagen streifen, ist nicht von der Hand zu weisen. Nicht nur das, nein, durch die Beschaffenheit der Landschaft, gibt es auch keine Bürgersteige oder Fußwege bei den Straßen, was Kinder, von denen die jüngsten noch keine vier Jahre alt sind, dazu zwingen würde, sich die Straße mit schweren Landwirtschaftlichen Maschinen und wegen des großen Alkoholsuchtproblems in Tamilnadu auch vielen betrunkenen Fahrern, zu teilen. Unter diesen Umständen über 4 km zu laufen, ist einfach keine Option.

Außerdem ist Havoor eine der 10 besten Regierungsschulen im ganzen Bundesstaat, und bietet daher eine einmalige Möglichkeit für die Kinder aus niedrigen Kasten oder der Stammesbevölkerung, deren Eltern zum Großteil Teepflücker sind, aus dem Teufelskreis der fehlenden Bildung auszubrechen und Chancen zu nutzen, die ihre Eltern nie hatten.

Ein großer Faktor beim Erreichen dieses Renommees sind die unzähligen Aktivitäten außerhalb des Lehrplans – Ob es um öffentliches Reden, Tanzen, Schach, oder Parai (traditionelles Trommeln) geht, Erfolge in Wettbewerben zahlen sich für Schüler in Form von Stipendien aus, die ein Sprungbrett in eine bessere Zukunft sind. Eine von der Schule bereit gestellte Transportmöglichkeit zu diesen Wettbewerben ist unumgänglich, da sie teilweise auf Bundesstaatebene stattfinden und die Eltern sich die Kosten für eine solche Fahrt einfach nicht leisten können.

Die unermüdlichen Anstrengungen, die der stellvertretende Direktor Mr. Nallamuthu auf sich nimmt, um die Schule und die Schüler nach oben zu bringen, sind ohne erschwingliche Transportmöglichkeit nicht durchsetzbar.

WIE?

Zurzeit kostet der angemietete Jeep die Schule pro Monat 13.000INR (ungefähr 185€/160£). Davon bezahlt die indische Regierung zurzeit 58%, die Eltern von den Kindern geben 14% dazu und die restlichen Kosten übernimmt dankenswerterweise der stellvertretende Direktor Mr.Nallamuttu von seinem eigenen Gehalt, obwohl dieser eine eigene, große Familie unterstützen muss und er jeden Monat 60% seines Gehaltes zum Abbezahlen eines Kredits für notwendige Herzoperationen seiner Kinder verliert.

Dementsprechend würde der Entzug der Regierungsunterstützung im nächsten Jahr bedeuten, dass 55 Schüler ohne Zugang zu einer solch guten Bildung gelassen würden, die sie alle verdienen-
Diese Zahl beinhaltet noch nicht weitere Kinder, die höchstwahrscheinlich nächstes Jahr der Schule beiwohnen wollen dank ihrem tollen Ruf, welche die Zahl wahrscheinlich um etwa 20 wachsen lassen würde.

Deswegen ist es unser Ziel, der Havoor Schule ein eigenes Fahrzeug kaufen zu können, sodass jedem Schüler der Zugang zu einer guten Bildung garantiert bleibt. Dadurch, dass das Fahrzeug dann der Schule gehören wird, will Havoor einen eigenen Fahrer einstellen, um die Kinder jeden Tag von der Schule abzuholen und nach der Schule wieder heimzufahren. Der Plan ist, dass dem Fahrer während der Schulzeit, in der das Fahrzeug nicht anderweitig gebraucht wird, erlaubt wird, das Fahrzeug als Taxi zu benutzen. Der Fahrer wird in Form von Benzin und seinen Fahrdiensten für die Schule eine Art „Miete“ für das Auto bezahlen und gleichzeitig sein eigenes Gehalt durch die Taxifahrten verdienen.
Dadurch werden nach Anschaffen des eigentlichen Fahrzeuges, keine permanenten Kosten für die Schule entstehen, da das Auto sich sozusagen „selbst bezahlt“.

Abgesehen davon werden wir (Tim und Adriana) die Spenden, die auf Leetchi eingehen, direkt und ohne Mittelsmann erhalten und auch persönlich zusammen mit der Havoor Schule nach Ende der Spendensammlung das Fahrzeug kaufen.

SONSTIGES

Falls wir mehr Spenden einnehmen sollten als für das Auto gebraucht werden, wird das überschüssige Geld an die Schule gespendet und zum Kauf von Lernmaterialien verwendet.

Falls wir nach Ablauf der Zeit nicht die benötigte Summe an Geld eingenommen haben sollten, werden wir mit dem gesammelten Geld einen billigeren, gebrauchten Wagen für die Schule kaufen, was nicht ideal wäre aufgrund der größeren Wartungskosten im Gegensatz zu einem Neuwagen.
Wir haben uns für Leetchi.com als Fundraiser-Plattform entschieden, da diese Webseite nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus anderen Ländern Spenden erhalten kann und auch verschiedene Währungen akzeptiert.
Wenn Sie eine Spendenbescheinigung benötigen, dann überweisen Sie Ihr Geld bitte an den Freundeskreis der Martin-Luther Schule in Rimbach. Kontodaten sind ganz unten aufgelistet. Der Freundeskreis ist ein gemeinnütziger Verein der Martin-Luther Schule, der durch Spenden viele tolle Projekte an unserer Schule auf die Beine stellt. Der Freundeskreis muss jede eingehende Spende dokumentieren und wir werden den aktuellen Stand dann so regelmäßig wie möglich veröffentlichen.

Der Verwendungszweck, bei Spenden über den Freundeskreis, ist:

MLS Indienprojekt HAVOOR

Bei einer Spende über 200€, fügen Sie danach bitte noch ihre Adresse an, um eine Spendenquittung zu erhalten, bei jeder Summe unter 200€ reicht auch der Kontoauszug für die Steuererklärung.
Hier Die Bankverbindungen des Freundeskreis:

Volksbank Weschnitztal eG:
BLZ 50 961 592
Konto-Nr. 6297
IBAN DE 87 5096 1592 0000 0062 97
BIC GENODE51FHO

Sparkasse Starkenburg:
BLZ 50 951 469
Konto-Nr. 400 3797
IBAN DE 08 5095 1469 0004 0037 97
BIC HELADEF1HEP

Die Havoor Schule kann man unter havoorprimaryschool.wordpress.com besuchen.

So, also ja. Das ist das andere Projekt, das wir gestartet haben! Wir hoffen echt total dass es klappt, denn die Havoor Schule ist einfach genial und wäre es sooo verdammt schade, könnten die Kinder nächstes Jahr die Schule nicht mehr erreichen.

Deswegen nochmal die Bitte: verbreitet es echt so viel es geht. Keine Sorge, wir erwarten jetzt nicht von euch, dass ihr jetzt Zeugen-Jehovas-mäßig daher kommt und allen, denen ihr trefft, von „der frohen Botschaft“ von Tim und Adriana erzählt! (Obwohl die Vorstellung ziemlich lustig ist und wir auch nicht sagen, dass ihr das nicht machen sollt… :D) Nein, einfach da, wo ihr denkt dass die Leute bereit wären, bei sowas mitzumachen. Das wär echt cool von euch!:)

Hier nochmal der Link zum Teilen: www.leetchi.com/c/havoor-van.

Übrigens, ein neuer Rekord zur Länge von unseren Blogposts wurde grade aufgestellt: Verdammt noch mal 12 Seiten in Word!! 😀 😀 😀 hmm..also wer bis zu diesem Punkt noch nicht eingeschlafen ist, erstmal Glückwunsch und zweitens: Danke, dass ihr uns bis jetzt begleitet habt und wir hoffen sehr, dass auch bei diesem Post das Lesen wieder Spaß gemacht hat! Es ist echt schön zu wissen, dass viele Leute zu Hause an einen denken und wissen wollen, was in deinem Leben so abgeht:)

Vielen Dank für die Unterstützung und bis zum nächsten Mal ihr Lieben!

Mit ganz viel Liebe und noch mehr Curryblähungen aus Indien,

Euer Tim und eure Adriana<3

95 Gedanken zu “Zwei Van-tastische Projekte!

  1. Ihr seid wunderbare Botschafter unserer Schule und beweist, dass ihr gelernt habt, dass es im Leben auf mehr ankommt, als schicke Klamotten zu tragen, das neueste Handy zu haben und ständig irgendwo chillen zu müssen ! Ich bin stolz auf Euch !
    Das Van-Projekt werde ich natürlich unterstützen.
    Viele liebe Grüße
    von Beate Wilhelm

  2. Tolle Kombi, nach dem Blog den Lehrer im späteren Video-Telefonat dann auch noch persönlich kennenzulernen. Ein echt toller und sympathischer Mensch! Wir werden uns für den Van ins Zeug legen. Die Volksbank Weinheim Stiftung hat schon mal 500€ für den Van reserviert.
    Bitte alle ganz doll die Werbetrommel rühren. Das ist echte Hilfe zur Selbsthilfe, die direkt da ankommt, wo sie gebraucht wird und das Engagement der Menschen vor Ort belohnt.

    Auch wenn das Vokabelkästchen Projekt nicht die gleiche Strahlkraft hat. Dennoch ein toller Impuls für die Schulen vor Ort.

    Dass die Schreiner barfuß arbeiten muss ich noch in meinem Weltbild zurechtrücken.

    Weiter so

  3. Schön, mal wieder was von euch und eueren Projekten zu hören. Leider hat es am Sonntag wieder nicht geklappt, dass ich beim “ Skypen“ dabei war. Euch weiterhin eine schöne Zeit.
    Gruß Oma

  4. Hallo, Tim
    habe gerade in eurem Blog gestöbert und bin im Moment ganz bei E U C H !
    Ich hoffe es geht euch gut und seid vorsichtig.
    Liebe Grüße an euch beide
    Oma auch Grüße von Opa
    Ich weiß nicht ob das ankommt, denn ich bin alleine und probiere

  5. 3、 整体来看,其燃料成本与碳排量都将得到大幅度的下降,6个百分点。无论贵企业采用哪种方法, 泄漏是散装类食品存在的主要问题之一,供电可靠性也将大幅提高。2014年开春。这是牛、羊、猪的最佳饲料,国开行对棚户区改造的资金支持力度加大。灭蝇胺在上述作物上的使用量。

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