Wir sind noch am Leben..sogar!

Hallo Ihr Lieben!

So, nach ich glaube einer der turbulentesten Monaten meines Lebens melden wir uns auch mal wieder.. nicht dass ihr denkt, wir wären schon abgereckt. Dazu ist es noch etwas zu früh. Haha.

Unsere Zeit bei Island Trust ist jetzt mittlerweile seit einigen Wochen vorbei, wir reisen seitdem schon rum und die ersten Wochen des Backpacker Lebens waren schon unglaublich aufregend und vollgestopft mit neuen Erlebnissen, tollen Menschen und dem billigsten indischem Essen, dem wir immer Schnizeljagd-mäßig auf der Spur sind! Und ja, erstaunlicherweise geht‘s unseren Mägen noch prima, wir scheinen uns an Indien auf jeder Ebene langsam gewöhnt zu haben.. sogar auf der Darmebene. Halleluja, gelobt sei unser Darmtrakt, auf Ewig!

Hmm.. wo fange ich denn jetzt an?? Es ist so viel passiert, das wird ein Meisterstück der kurzen Zusammenfassungen und herausfiltern des Wichtigsten.. ich versuche mal ein paar Stichpunkte zu machen, von was wir euch alles erzählen wollen heute:

Die Sache mit den Schwulen und Lesben in Indien

In letzter Zeit, nachdem wir jetzt schon über zwei Monate hier waren, fingen wir langsam an, etwas mutiger zu werden und auch ziemliche Tabuthemen anzusprechen wie die Sache mit Schwulen und Lesben in Indien. Uns hat es wirklich interessiert, wie es dieser Gruppe hier besonders in Indien geht. Wir haben in etwa acht Leute aus vollkommen verschiedenen Kreisen, Altersgruppen und Kasten gefragt, was sie denn von der LGTB-Community (Lesbian, Gay, Transsexual, Bisexual) halten. Wir haben ein paar krasse Geschichten gehört, sind aber auch auf viel Toleranz und Akzeptanz gestoßen. Was aber zu bemerken ist, bevor ich anfange zu erzählen, ist, dass wir nur mit Menschen, die sehr gut Englisch sprechen konnten über solch komplexe Themen reden konnten. Menschen, die sehr gutes, nahezu fließendes Englisch in Indien sprechen können, sind meist eher weltgewandte, gut-bereiste Menschen und/oder sehr gut gebildete Menschen. Natürlich bedeutet das nicht, dass Menschen, worauf diese Attribute nicht zutreffen automatisch feindlich der LGTB-Community gewandt sind oder man sie gar als ignorant bezeichnen könnte, jedoch haben wir selbst auch erlebt, wie Menschen, die eine betont englische Schulbildung kriegen, oft eine auch rundere Bildung erhalten und somit einen weiteren Blick auf die Welt kriegen. Daher haben sie eher die Tendenz, eine liberalere Haltung zu besitzen da sie mehr verschiedene Meinungen schon gehört haben. So jedenfalls bis jetzt unsere Beobachtung hier in Indien.

Also! Was haben wir denn bis jetzt gehört?

Ich glaube die erste Person, wo es zur Sprache kam, war ein 16-jähriges Mädchen namens Annie. Annie ist die Tochter des Chefs unserer Hilfsorganisation Island Trust namens Mister Alphonse. Annie geht auf eine christliche Mädchenschule, die von Nonnen geführt wird. Die Schule ist auch ein Internat und es wohnen in etwa 70 bis 80 Mädchen dort im Alter von 11 bis 18 Jahren. Wir haben uns sehr gut verstanden mit Annie und redeten auch viel über ihre Schule. Dabei fanden wir raus, dass sie es gar nicht mag in dem Internat zu wohnen, da angeblich viele Lesben dort auch wohnen würden. Sie würden dann auch „Lesben-Sachen“ machen, das möge sie nicht sehr. Gut, nicht sehr erstaunlich auf solch eine Meinung zu treffen in so einer konservativen Umgebung.
Was sie aber als nächstes erzählte, schockte uns schon mehr; In der Schule sei in letzter Zeit öfters „Lesben-Aktivitäten“ beobachtet worden, deswegen hat die Schule nun überall Kameras aufgestellt, um solche Aktivitäten zu unterbinden. Ist halt leider noch illegal in Indien, schwul oder lesbisch zu sein.
Wir haben Annie gefragt, ob es ein Hindernis für sie wäre, wenn einer ihrer Freunde lesbisch oder schwul wären, ob sie dann nicht mit ihnen Freunde sein könnte. „Oh nein, nicht so. Ich bin zwar nicht einverstanden mit dem, was sie machen, aber das ist ihre Sache. Ich habe auch ein paar lesbische Freunde, das ist in Ordnung. Ein paar von meinen Freunden haben auch ein Mädchen als Freundin während der Schulzeit, und dann in den Ferien oder wenn sie heimgehen, haben sie einen Jungen als Freund!“ „..und der Junge und das Mädchen wissen von dem anderen Partner?“ „Hmm, also manche wissen es sogar nicht. Aber bei anderen, ja. Da wissen es beide Partner. Das Mädchen hat dann halt einfach zwei Partner gleichzeitig.“ Hmm, scheint ja als ob manche indische Schulmädchen fortschrittlicher in alternativen Beziehungsmodellen sind als die meisten Deutschen! 😀 Ich merke immer wieder, wie es wirklich nicht auf das Land ankommt, in dem man sich befindet. Im Endeffekt gibt es im jeden Land von jeden Typ jemanden, egal ob Arschloch, Dummschwätzer, Hippie, Transvestit oder seriöser Businessmann mit Familie. Es gibt wirklich alles, überall! Ob in Deutschland oder Indien.

Die zweite Person, die wir gefragt haben, war eine 26-jährige Jurastudentin aus einer ebenfalls ziemlich traditionell gerichteten Familie. Sie selbst läuft aber am liebsten mit westlicher Kleidung rum, sprich Jeans und T-Shirt.

Mukil

Das ist Mukil (hinten rechts neben Tim) mit ihrer Familie

Sie hat eine Zeit lang in Bangalore, einer großen IT-Stadt im Süden Indiens, in einem Mädchen-Hostel gelebt und hat auch erzählt, dass dort Lesben öfters anzutreffen wären. Auf die Frage, was sie davon halte, gab sie eine ähnliche Antwort wie Annie: „Ach, das geht ja mich nichts an. Wenn sie glücklich damit sind, sollen sie es machen! Also, für mich persönlich war es bis jetzt noch nichts, aber ich würde nie auf die Idee kommen, sauer oder so was zu sein nur weil eben dann mal zwei Mädchen sich lieben. Das ist ok für mich.“ Wow. So viel Toleranz für Lesben und Schwule hätten wir ehrlich gesagt nicht erwartet.

Wir haben auch schon zwei indische Mädchen kennengelernt, die offen bisexuell sind und keine familiären Probleme damit haben: „Wenn ich dann eben mal eine Frau als meine Freundin heimbringen würde, hätten meine Eltern keine Probleme damit. Ich hab Glück, meine Eltern sind sehr fortschrittlich in ihrem Denken.“
Wir haben aber auch einige Gruselgeschichten gehört. Da es in Indien noch offiziell illegal ist, schwul oder lesbisch zu sein, werden viele, besonders in ländlichen Regionen, oft noch belästigt von der Polizei; ein lesbisches Paar muss in ihrem Heimatdorf einen ständige Wache vor der Tür haben, da ihre Liebe von der Familie und vom Dorf nicht akzeptiert wird. Wenn man in Verdacht gerät, eine homosexuelle Beziehung zu führen, erliegt man auch der Gefahr, von der örtlichen Polizei belästigt zu werden, diese wollen dann meistens eine Art „Schweigensgeld“, sprich Bestechung, dass sie nichts sagen. Schwulen-oder Lesbenclubs kann es aufgrund der noch herrschenden Illegalität nicht geben, nur gibt es sog. Treffpunkte oder Tage, an denen die Insider wissen, dass Schwulen/Lesbentreff ist. Wenn die Polizei aber davon zu viel mitbekommt, wird die Polizei eine Razzia unter dubiosen Umständen im Club veranstalten und irgendeine Ausrede finden, den Club zu schließen. Viele Clubs sind deswegen schon geschlossen in jüngster Vergangenheit geschlossen worden. Die derzeit sehr konservative Regierung hilft da auch nicht weiter.

Es gibt aber auch das sog. „Third Gender“ (wortwörtlich übersetzt: „Drittes Geschlecht) in Indien, das sind Menschen, die sich weder als Frau, noch als Mann identifizieren. Allermeistens sind es Männer, die sich  weiblich anziehen und oft auch schminken. „Third Gender“ Menschen dürfen in Indien offiziell auch Kinder adoptieren, Schwule und Lesben aber nicht. Du wirst in Indien auch offiziell als „Third Gender“ anerkannt, wenn du dich als solche identifizierst. Mag komisch klingen: Transsexuelle sind akzeptierter in der indischen Gesellschaft als Schwule und Lesben? Ja, das ist zu einem gewissen Grad tatsächlich so. Grund dafür ist die vorherrschende hinduistische Religion in Indien: In den hinduistischen Sagen, die maßgebend die hinduistische Religion prägen, gibt es Geschichten von Göttern, die ihr Geschlecht verändern oder keinem bestimmten zugeschrieben sind. Daher sind auch „Third Gender“ Menschen hier jedenfalls toleriert, ihr Schicksal sieht aber auch alles andere als rosig aus: Meistens wollen Arbeitgeber sie nicht einstellen, sie kriegen nur Minijobs. Sie werden von vielen ausschließlich als Glücksbringer angesehen und verdienen sich so das Geld durch Betteln. Nicht selten laufen sie durch die Züge und klatschen, das soll Glück bringen. Dann sammeln sie etwas Geld von jedem ein.
Ja, das Leben eines LGTB-Menschen ist in Indien noch alles andere als einfach. Wenn man Glück hat, ist die Familie liberal genug und akzeptiert die Liebe, sonst kann es sehr, sehr schwierig werden und man wird noch nicht mal von der eigenen Familie in Ruhe gelassen. Ich hoffe, dass in Zukunft die kleine Bewegung zur Stärkung von homosexuellen Rechten weiterschreitet und die Illegalität dieser Gruppe endlich der Vergangenheit zugeschrieben werden kann!

Jap, das wars so in etwa bis jetzt was Schwule und Lesben angeht.. weiter zu einer ziemlich krassen Geschichte:

Krasse kulturelle Missverständnisse

Jap, auch wir sind nun offiziell in ein richtig großes indisches Fettnäpfchen getreten. Bei allen Ähnlichkeiten zwischen Menschen gibt es dann doch noch einige Verhaltens-Etiketten, die man so gut wie möglich versuchen sollte zu folgen, sonst kann es, wie bei uns, schnell unangenehm werden;

Es war der Abend vor unserer Abreise von Island Trust, wir waren dabei unser Zimmer aufzuräumen und haben dabei einen alten Flyer von Island Trust in den Mülleimer geschmissen. Die Flyer waren nicht mehr aktuell, die Hilfsorganisation war schon dabei, aktuellere zu machen.
Am Abend kam dann Mr. Alphonse, unser Aufpasser und der Chef von Island Trust, zu uns in die Wohnung und war vollkommen entgeistert, wie wir denn einen Flyer von seiner Organisation in dem Müll werfen könnten. Er war ziemlich wütend und hatte den Eindruck, wir wollen durch diese Geste seine Organisation und seine Person aufs übelste beleidigen. Ich war vollkommen schockiert, da ich in keinster Weise durch diese Handlung diese Absicht hatte. Ich versuchte ihm das mehrmals zu erklären, er wollte aber nicht hören..

Jetzt mal ehrlich: In Deutschland, wenn man einen Flyer von einer Organisation kriegt und ihn nicht mehr braucht, schmeißt man ihn doch einfach in den Müll, oder nicht? So hab ich das jedenfalls immer bis jetzt gemacht. Sonst hat man doch Stapeln an Papier und Flyern, die man nicht benötigt. Gut, es ist nochmal etwas anderes, wenn man bei der Organisation arbeitet. Aber die Flyer waren doch schon längst abgelaufen, sie brauchten sie doch gar nicht mehr?! So waren meine Gedanken.. dabei hatte ich aber einen Aspekt der indischen Kultur vergessen: die Sache mit dem anderen Respekt-Begriff..

In Indien ist Respekt ausgeprägter als in Deutschland: In Deutschland muss man sich Respekt von einer Person unter Umständen erst verdienen, in Indien muss jede Person von Anfang an mit großem Respekt behandelt werden, (Was man von der Person dann eigentlich denkt, ist eher egal:D) besonders Menschen, die älter als du sind. In der hier gesprochenen Sprache Tamil gibt es, wie im Deutschen auch, zwei Arten, eine Person anzusprechen: „Ni“ ist ähnlich wie „Du“, „Ninge“ ist wie „Sie“. Während in Deutschland man unter Freunden innerhalb von Stunden sich du-tsen darf, ist das hier in Indien nicht der Fall. Sogar Ehepartner, die seit Jahren verheiratet sind, benutzen füreinander immer noch die Ansprache „Ninge“.
Der Unterschied ist, dass wenn man jemanden mit „Ninge“ anspricht, ist das hier keine Formalität, sondern eine Form des Respekts: und du sollst alle Menschen respektieren, also sprichst du alle mit „ninge“ an. Nur manchmal Geschwister oder deine Eltern dürfen dich mit „ni“ ansprechen, keine anderen.
Ein weiterer Aspekt des Respekt zeigen, sind deine Gesten. Die Unterseite deiner Füße sollten niemals auf Gottheiten oder direkt auf Menschen zeigen, da Füße in Indien als äußerst dreckig angesehen werden. Wenn Füße von zwei Menschen sich mal berühren, soll man sein Kopf leicht beugen, seine Hand an die Stirn führen und danach seine Handoberfläche küssen als Entschuldigung. Du sollst auch niemals mit deinen Füßen den Besitz von anderen Leuten anfassen. Falls das passiert, beleidigst du die Person sehr.. So, was hat das jetzt aber alles mit dem Flyer im Müll zu tun? Tja, wo landet denn der Müll in Indien? Hmm.. naja, auf den Straßen. Und womit laufen alle Menschen auf den Straßen rum? Natürlich, mit ihren Füßen.. Oh. Verdammt.

Mr. Alphonse beruhigte sich an dem Abend nicht mehr, sondern verließ unsere Wohnung wütend trotz unzähliger Versuche meinerseits ihm zu erklären, dass das so in Deutschland gemacht wird und es mir sehr leid tut, wenn ich ihn dadurch in irgendeiner Art und Weise beleidigt haben sollte!..keine Chance.
Mist, das mit dem Müll und den Füßen hatte ich nicht bedacht. Ja, es stimmt wirklich. So ziemlich der komplette Müll der Inder ladet irgendwo auf den Straßen, in der Landschaft oder wird auf offener Straße verbrannt. Besonders gerne wird auch Plastik verbrannt. Was lustig und gleichzeitig so makaber ist, dass jedes Mal, wenn ich verbranntes Plastik rieche, ich wieder merke dass ich noch in Indien bin und das macht mich allen Ernstes glücklich!:D macht das mich zu einem Menschen mit einer zu schwarzen Seele? Ich hoffe nicht.. hmm.
Daher aber auch diese Reaktion von Mr. Alphonse. Er war auch wütend gewesen, da dann das ganze Dorf sehen könnte, dass jemand einen Flyer von Island Trust weggeworfen hat, jemand hatte sie des-respektiert und das ist natürlich nicht gut für den Ruf der Organisation.
Ouh mann, das hatte ich nicht erwartet! Ich versuche so bedacht darauf zu sein, Menschen nicht zu beleidigen in Indien und ihnen nicht auf die Füße zu treten (hah, Wortwitz!) und dann so was. Tim war schon teilweise genervt von meiner krassen Vorsicht; „Adriana, komm! Die Leute sehen, dass wir offensichtlich keine Inder sind und es haben schon viele Leute gesagt, dass sie wissen, dass wir nicht alle Etiketten kennen und nehmen uns das nicht übel. Wir können ja nicht alles richtig machen!“ Ja, das mag sein. Aber spätestens nach diesem Zwischenfall mit Mr. Alphonse glaube ich mehr denn je, dass man versuchen sollte, so gut es geht sich gemäß den Etiketten zu verhalten, nur um keinen unbewusst zu beleidigen. Denn sogar ein Mensch wie Mr. Alphonse, der sehr viel Kontakt mit Ausländern hat, war beleidigt von dieser Geste. Ich glaube, dass manche Sachen und Tabus in einer Gesellschaft so selbstverständlich sind, dass die Menschen in der Gesellschaft gar nicht mehr wissen, dass dies eine besondere Etikette ihrer Gesellschaft ist und diese nicht von jeder Gesellschaft geteilt wird. Deswegen bin ich so vorsichtig. Sehr vieles vergeben uns die Inder, aber nicht alles.

Die Inder sind ja genauso wie wir!..meistens jedenfalls

Hach, wie ich diese Momente liebe! Wenn wir mal wieder merken, wie ähnlich alle Menschen auf diesem Planeten doch sind. Ich muss ehrlich sagen, bevor ich nach Indien gekommen bin, hatte ich ..na, ob man das Angst nennen kann? ..sagen wir eine Art Anspannung davor, wie anders die Leute sein würden. In Asien war ich noch nie gewesen, geschweige denn in einer Süd-Ost-Asiatischen Gesellschaft. Wie würden die Leute denken, was machen sie den ganzen Tag lang? Haben sie Hobbies? Wie ist die Art der Kommunikation, werde ich sie überhaupt auf einer emotionalen Ebene verstehen können oder werden sie uns in ihrem Denken und Fühlen komplett fremd bleiben?
Ich war vor ein paar Jahren mal für ein paar Wochen im Süden der USA. Ich weiß noch, wie ich mir damals nicht wirklich einen Reim machen konnte aus manchen Menschen und ihrer Art der Kommunikation. Ich wusste bei manchen nie richtig, was sie eigentlich ungefähr fühlten: Waren sie gerade nur höflich oder mochten sie mich wirklich? Ist der ironische Witz von gerade eben wirklich nur ein Witz, oder wollen sie durch ihre Art der Kommunikation uns grade suggerieren, dass sie mit etwas nicht einverstanden sind? Mit manchen Menschen dachte ich, eine gute Verbindung zu haben, wobei ich später raus fand, dass diese Menschen mich gar nicht mochten! Es war manchmal sehr verwirrend. Der Grund: Obwohl wir beide die gleiche Sprache gesprochen haben, verstand ich ihre Art der Kommunikation noch nicht, ich kannte die kleinen Anzeichen von entweder „mögen“- oder „nicht mögen“ nicht. Natürlich hab ich mich mit den meisten gut verstanden und die meisten waren auch ehrlich und super lieb zu mir, oft waren es Leute, die ich neu kennengelernt habe, aus denen ich mir keinen Reim machen konnte. Leute, die ich zu diesem Zeitpunkt schon länger kannte, konnte ich natürlich auch besser lesen, kannte auch ihre kulturbedingten Kommunikationsebenen. Naja, war ja auch nur eine kurze Zeit da.
Aber wie würde es nun in Indien sein? Würden wir die Leute auf einer zwischenmenschlichen Ebene verstehen, mit ihnen über gleiche Witze lachen und ihre Ängste und Sorgen, Hoffnungen und Träume nachvollziehen und emotional verstehen können? Ich hatte echt ein bisschen Schiss davor. Und zunächst waren Menschen uns auch ein kleines Rätsel.. aber nicht lange. Wenn man sich versucht, in Menschen einzufühlen, versteht man sie schnell und kann ihre Denkweise nachvollziehen. Und das haben wir gemacht, wir haben sozusagen versucht, das indische Lebensgefühl aufzuschnappen! Und dabei haben wir schnell gemerkt, dass Inder natürlich auch nur Menschen sind, sprich: Alle teilen den Wunsch nach Liebe, nach einem glücklichen Leben. Alle haben auch etwas, dass sie antreibt und Träume, die sie verfolgen. Sie sind ja genauso wie wir!
Ich habe in der Bibliothek in Kotagiri ein echt interessantes Buch über Sozialpsychologie gefunden und ein bisschen gelesen. Ich hab dort auch die Antwort auf einer meiner brennendsten Fragen gefunden: Ist das Verstehen auf einer zwischenmenschlichen Ebene kulturell bedingt? Oder kann man auch die Emotionen, die eine Person ausstrahlt, richtig deuten, wenn sie von einer komplett anderen Kultur kommt? Und die Antwort ist so erfreulich: Ja, man kann sie richtig deuten! Auch wenn eine Person von einer komplett anderen Kultur als du kommt, Emotionen sind universell! Wenn jemand angepisst erscheint, gibt es keine besondere indische Art, das Angepisst- sein zu zeigen. Leichte Unterschiede sind erkennbar, aber die Gefühle, die der Mensch und die Menschen um einen kriegen, sind das gleichen. Freude fühlt jeder Mensch auf der Welt ähnlich, Trauer und Wut auch. Das heißt: jeder Mensch auf der Welt kann den anderen Menschen verstehen, wenn er solche Emotionen zur Schau stellt oder ausstrahlt! Wir müssen also nicht Angst haben vor anderen, verstehen werden wir sie. Manchmal früher, manchmal später. Das kommt auf die Person an, nicht die Kultur.

Ich hatte mich auch gefragt, ob in solch einer konservativen Kultur, wie noch oft in ländlichen Gebieten anzutreffen ist, so etwas wie Schule schwänzen oder Parties überhaupt etwas sind, dass Leute machen. Und ja, das sind sie. Indische Jungs und Mädchen lassen die Schulstunden auch mal sausen, um lieber mit ihren Freunden an den See zu fahren, heucheln ihren Eltern mal vor, sie seien in der Schule gewesen. Sie tun so als ob sie „ganz arg Bauchweh“ hätten, um nicht die blöde Mathearbeit schreiben zu müssen. Manche indische Jungs und Mädchen, die in einer liberaleren Familie aufgewachsen sind, gehen natürlich auch abends feiern, trinken zu viel Tequila und schwitzen sich beim Tanzen die Seele aus dem Leib! (Kann ich aus Erfahrung jetzt auch nach einigen erfolgreichen Partynächten garantieren, das machen Inder auch!:D (Keine Sorge Mutti, ich schwöre ich hab nur Limonade getrunken!))

Die großen Unterschiede zwischen Kulturen sind die Etiketten, eine andere Art, miteinander zu reden (Inder können oft direkter sein) und unsere Kleidung. Darunter sind wir alle Menschen.

Das Backpackerleben bis jetzt

..ist ein schönes Leben! Mit nur deinem Rucksack, der Gitarre in der Hand und noch einem bisschen Geld auf dem Konto geht man raus und entdeckt die Welt zum ersten Mal mit seinen ganz eigenen Augen. Keine Verpflichtungen, keine Eltern, die einem sagen, was man machen kann und was nicht: Man ist frei, so frei wie noch nie!
Mit Freiheit kommt aber natürlich auch große Verantwortung. Daran wächst man unheimlich. Man muss seine eigene Wäsche auf die Reihe kriegen, sonst muss man halt schon wieder das T-Shirt mit dem Zahnpasta Flecken anziehen, man muss Züge erwischen, Hostels buchen und selbst entscheiden, was man machen will und was einem zu gefährlich ist. Und Stichwort Züge: Hier ist Indien mit am indischsten! Unzählige Verkäufer schreien ihr Angebot an jeder Station durch den Wagon, Straßenmusiker spielen dir Lieder vor, neugierige Familien geben dir großzügig von ihrem Essen ab, wollen wissen wo du herkommst.

Hier ein kleiner Eindruck von wie es abgeht in den Zügen:

Hier ein Zug-Musiker:

Falls irgendwer sich zurzeit überlegen sollte, ob er auch eine Auslandsreise machen sollte, kann ich das nur wärmstens empfehlen! Es ist unglaublich,wie viel man über sich selbst entdeckt, was für andere Leute man kennenlernt und wie viel man lernt, in jeder Hinsicht. Also echt, macht‘s einfach!

Wir haben bis jetzt schon eine ganz schöne Strecke hinter uns: Von der südlichsten Spitze Indiens sind wir bis gestern noch hoch in den Himalayas ganz im Norden-Westen des Landes gewesen und grade sitzen wir im Zug auf dem Weg nach Delhi! Dann werden wir unserem Weg nahe der nepalesischen Grenze beschreiten, ganz in den Nord-Osten reisen und dann runter ins östlich gelegene Kolkata. Danach geht‘s in die Mitte des Landes, und dann wieder runter nach Kotagiri, um dann hoffentlich den Van kaufen zu können! Wir haben auch schon unglaublich interessante Sachen gesehen: Das Haus des Dalai Lamas, den sog. Goldenen Tempel, der heiligste Tempel der Sikh-Religion (die Leute mit dem Turban), die riesigen Slums von Mumbai und im Hintergrund die riesigen Hochhäuser der Superreichen.

Dalai lama haus
Das Haus des Dalai Lama..ziemlich bescheiden.

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der Goldene Tempel
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Ein lieber Sikh-Gläubiger namens Butha, den wir kennengelernt haben

Die Slums von Mumbai:

Slums Mumbai (2)

Slums mumbai

 

Wir haben konservative Inder kennengelernt, die vor allem mich komisch angucken, wenn Tim und Ich sagen, dass wir nur Freunde sind und, nein, nicht verheiratet und definitiv keine Kinder schon zusammen haben. (Manche, eher traditionell gerichtete Leute denken, dass besonders Frauen die Erhalter der Familie, Kultur und Tradition in Indien sein sollen) Wir haben Inder kennengelernt, die am Liebsten den ganzen Tag lang nur Party machen und immer für ein kühles Bier bereit sind, haben aber auch einen gestern kennengelernt, der sich nicht mal die Chipstüte mit jemanden teilen kann, der Alkohol trinkt aus religiösen Gründen. Wir haben Inder kennengelernt, die weit aufgerissene Augen gekriegt haben und nur staunen konnten als wir ihnen erzählten, dass wir auch schon Inder kennengelernt hatten, die noch nie von solchen Bands wie „The Beatles“ oder von Justin Bieber gehört hatten: „Was für Inder sind das bitte?!“ haben sie und gefragt.. Indien ist so krass und so gegensätzlich! Es gibt Wüsten, hohe Gletscher, Dschungel und normale Wälder. Alles findest du hier, alles.

Unser Van-tastisches Projekt läuft!

Ah, noch ein letztes Etwas: Wir haben jetzt noch knapp einen Monat, das Geld für unsere Spendenaktion zusammen zu kriegen! Falls ihr jemanden kennt oder sogar selbst in der Lage sein solltet, noch etwas dazu zu geben, das wäre absolut großartig! Zurzeit haben wir schon ca. 4000 Euro sammeln können dank vieler, großzügiger Spender! An dieser Stelle ein riesen Dankeschön an die Firma Merck, das Baugerätecenter Odenwälder in Mörlenbach, die Firma Raber in Lörzenbach und die Stiftung der Volksbank Weinheim, die uns alle sehr großzügig unterstützt haben. Vielen Dank nochmal an euch!
Wir beide werden aber im Spendensammeln grade erst warm! Insgesamt bräuchten wir 9500 Euro. Falls dieser Betrag aber nicht erreicht werden sollte, kann immer noch sehr viel bewegt werden mit dem Geld. Falls wir genug einnehmen bis zum Ende dieses Monats, kann auch ein gebrauchter Van für die Havoor Schule gekauft werden. Das wäre zwar nicht optimal aufgrund mehr anfallender Steuern und mehr Werkstattbesuchen, würde aber schon viel helfen.
Also hier nochmal die Bitte: Tretet nochmal richtig rein und verbreitet‘s so gut es geht! Das wäre echt total lieb:)
Ich stell hier nochmal den Link rein, da findet ihr nochmal detailliertere Informationen über unser Projekt und wie ihr spenden könnt:

https://www.leetchi.com/c/havoor-van

Havoor kinder..

Na dann ihr Lieben, das war‘s wieder von uns bis jetzt! Nächstes mal melden wir uns früher wieder zurück, der erste Schock des unabhängigen Rum-reisens ist glaub ich nun auch überwunden:) Ich wünsch euch alles Schöne für euch und viele tolle Erfahrungen!

Bis dann<3

59 Gedanken zu “Wir sind noch am Leben..sogar!

  1. Liebe Adriana,
    die Zeit rast schneller als die indischen Züge… Euren Bericht habe ich mit Begeisterung gelesen! Toll, dass ihr zusammen so eine fantastische Rundreise unternehmen könnt! Ich wünsche euch noch viele schöne Erlebnisse und spannende Eindrücke und freue mich aufs Wiedersehen mit dir, liebe Adriana!
    Herzliche Grüße
    Andrea

  2. Es war ja höchste Zeit,mal wieder was von euch zu hören. Man macht sich ja doch manchmal so seine Gedanken.
    Ich kann nicht gut unterscheiden,wer welchen Komentar geschrieben hat.
    Ich wünsche euch für die letzten Tage noch ganz viele Spender. Auf meiner Betteltour habe ich gemerkt, dass man mir zwar gespannt zuhört,aber der Geldbeutel bleibt meistens zu, besonders wenn es um Spenden ins Ausland geht.
    Liebe Grüße an euch von Oma Nita.

  3. Es war wieder toll euren Blog zu lesen.
    Und zum Thema Spenden habe ich gerade letzte Woche gehört, dass man die Spende auch als Blog-Abo-Gebühr verstehen kann 😉 Wenn man einfach mal auf einen Kinobesuch verzichtet, oder anstatt des Eisbechers nur 2 Kugeln isst und das dann spendet ist auch schon geholfen, denn Kleinvieh macht auch Mist.

    Liebe Grüße und noch viele tolle Eindrücke bei eurem Endspurt.
    Martina

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